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Das Miteinander in der Krise : Erstarrte Begegnungen mit maskiertem Gesicht

  • -Aktualisiert am

Keine Rempelei, sondern einer der wenigen derzeit möglichen Kontaktgrüße: der Ellenbogen-Check, hier zwischen Markus Söder (l,) und Sebastian Kurz Anfang Oktober in Bad Reichenhall Bild: Picture-Alliance

Was steckt hinter dem Gekicher beim Ellenbogengruß? Überlegungen eines Soziologen zu Hintergründen der Proteste gegen die Corona-Regeln. Ein Gastbeitrag.

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          Wer genau hinschaut, entdeckt nicht nur gestresste Maskenträger. Auf dem Weg zur Schule helfen Erstklässler einander, die Maske zu justieren, beflissen und stolz auf ihren Statussprung gegenüber den Kleinen, die vom Ernst eigenverantwortlicher Sorge weit entfernt sind. Anders dagegen Pubertierende. Demonstrativ renitent oder unbekümmert verzichten sie auf das Maskentragen. Variierende Bereitschaften zu Konformität und Nonkonformität zeigen, dass zugemutete Regeln, wie die allabendlich angemahnten Maßnahmen zur Hygiene, perspektivisch gebrochen werden durch Motive, die der Einsichtsfähigkeit vorgelagert sind. Nicht allgemeine Vernunft, vielmehr der Grad der Zugehörigkeit entscheidet darüber, wie ansprechbar Menschen für Appelle sind.

          Zugehörigkeit, und zwar die empfundene, nicht die tatsächliche, bestimmt die Kriterien für die Definition der Situation. Sie filtert Konformität, die Akzeptanz der Regelbegründung, und sie schwächt die Resonanz auf Sanktionen – Ermahnungen bis Bußgelder – ab, die mit jeder Regelsetzung zwingend einhergehen. Reiserückkehrer, Partys und Familienfeste gelten derzeit als die typischen Verursacher intensiver Infektionsverbreitung. Angesprochen sind damit drei Formen gebrochener sozialer Zugehörigkeit und routinierter Abweichung vom Regelverständnis – mit Rücksichtslosigkeit als Folge.

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