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Soziale Netzwerke : Facebooks Blick in eine düstere Zukunft

  • -Aktualisiert am

Facebook weiß zu wenig über seine Nutzer

Facebook war daran gelegen, mehr von seinen Nutzern zu erfahren. Der besten Methode - der lückenlose Überwachung per Smartphone - ging Zuckerberg selbst nach. Im Juni flog er nach Seoul, um mit dem koreanischen Handyhersteller Samsung über ein „Facebook-Phone“ zu verhandeln. Die Südkoreaner sagten Zuckerberg, so wurde berichtet, noch während des Gesprächs vor Ort ab. Samsung arbeitete stattdessen an einem eigenen Betriebssystem. „Tizen“ erlangt in diesen Tagen seine Marktreife.

Mit Neid schaut Zuckerberg stattdessen auf den Konkurrenten Google. Allein im dritten Quartal dieses Jahres wurden weltweit 211 Millionen Mobiltelefone verkauft, auf denen Googles Betriebssystem Android läuft. Mit der Verspätung von fast einem Jahr folgte Google im Herbst 2007 der Unternehmung Apples, das Mobiltelefon neu zu erfinden und es zu einem wirklichen Universalcomputer zu machen. Vor wenigen Wochen kletterte Googles Marktanteil an mobilen Betriebssystemen auf 81 Prozent. In dieser Woche kündigte Motorola, seit 2012 ein Tochterunternehmen Googles, ein vollausgestattetes Smartphone für 169 Dollar an.

Auch drei Milliarden Dollar waren zu wenig

Facebook hat all diese Entwicklungen, und damit den Zugriff auf seine Kunden, verpasst. Zwar steigt der mobile Werbeumsatz, aber die Grenzen dieses Wachstums sind deutlich erkennbar. Ohne Zugriff auf die Telefone ist Facebook vergleichsweise blind. Ohne Standort-Daten, ohne Möglichkeiten der Analyse von Verhalten, kommt Facebook immer mehr ins Hintertreffen, was die Nützlichkeit der eigenen Webseite und der zahlreichen Apps angeht. Drei Milliarden Dollar war Facebook in dieser Woche der Einblick in die Kommunikation unter Jugendlichen wert – doch „Snapchat“, der Anbieter eines unter amerikanischen Jugendlichen beliebten Messengers – lehnte dieses Übernahmeangebot ab. Facebook weiß, wer wen kennt, aber immer weniger, was diese Beziehung ausmacht, wie sie sich ökonomisch ausbeuten lässt und was aus ihnen künftig folgt.

Um die anderen digitalen Märkte hat sich Facebook nicht einmal bemüht. Noch in diesem Monat werden Sony und Microsoft die Spielekonsolen der nächsten Generation auf den Markt bringen. Microsoft hat dabei ein Gerät im Angebot, das sogar das Fernsehen komplett vereinnahmt, das Personen im Wohnzimmer erkennt, namentlich begrüßt und auf natürliche Sprachkommandos reagiert. Die Technologie der Videotelefonie von Skype ist in dieses System integriert, über das Fernsehprogramm wird Microsoft einen Datenschleier legen, der kaum eine der bei einem alltäglichen Abend im Wohnzimmer üblichen Fragen noch offen lässt.

Auf der anderen Seite stieg Amazon vom Versandhändler zum wichtigsten Anbieter des Cloud-Computing auf. Dabei geht es nicht nur um zur Verfügung gestellte Datenspeicher. Per „App-Streaming“ steht die Prozessorleistung der stärksten Computer der Welt nun jedermann zur Verfügung. Das Kalkül dieser in diesen Tagen verkündeten Neuerung ist klar: Amazon wird in naher Zukunft Tabletcomputer verkaufen können, die so billig sind, dass sie gar keinen Preis mehr haben. Die notwendige Rechenleistung steckt nicht mehr in den Geräten, sondern in der Cloud. Selbst die CIA nutzt für ihre Tätigkeiten nun ausschließlich die Dienste Amazons. Der neuen Kostenloskultur der Produkte folgt die totale Abhängigkeit von den Dienstanbietern. Microsoft, Google und Amazon haben den Wandel zum Dienstanbieter bislang erfolgreich absolviert, Facebook nicht. Der erste Instant-Monopolist des digitalen Zeitalters steht kurz davor, aufzuzeigen, auf welch virtuellen Fundamenten der digitale Kapitalismus tatsächlich steht.

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