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Sommerferien : Der Reiseweltmeister macht schlapp

  • -Aktualisiert am

Gibt es eine Reisepflicht? Oder darf man ungerührt zuschauen, wie eine ganze Branche in den Abgrund stürzt? Eine Demonstration in Frankfurt. Bild: dpa

Die Hälfte der Deutschen will ihren Urlaub zu Hause verbringen. Wie schlimm ist das? Und für wen?

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          Endlich? Zum 15. Juni werden die pauschalen Reisewarnungen für Europa aufgehoben. Und nachdem Italien schon seit einigen Tagen ausländische Touristen willkommen heißt, werden dann auch die meisten anderen innereuropäischen Grenzen geöffnet. Es sei höchste Zeit gewesen, hört man allerorten, und obwohl viele Unterkünfte noch geschlossen sind und in manchen Urlaubsregionen Maskenpflicht sogar im Freien besteht und Zuwiderhandlungen mit bis zu dreitausend Euro bestraft werden sollen, ist die Rede von der allmählichen Wiederkehr zur Normalität. Es klingt wie der gerade noch rechtzeitig gegebene Startschuss für die Ferien.

          Doch die Menschen scheinen ihn nicht hören zu wollen. Die Welttourismusorganisation UNWTO zeichnet ein düsteres Bild: Der internationale Tourismus breche in diesem Jahr vermutlich um siebzig Prozent ein. Weltweit seien dadurch 110 Millionen Arbeitsplätze gefährdet. Nie zuvor war deutlicher zu erkennen, welche Rolle der Fremdenverkehr, lange schon die zweitgrößte Industrie der Welt und jedes Jahr durch neue Rekorde verwöhnt, ebenso für große Konzerne wie für Kleinstunternehmer oder einfache Angestellte spielt, von Reiseveranstaltern, Fluggesellschaften und internationalen Hotelketten bis zu den Kameltreibern vor den Pyramiden von Gizeh oder den Zimmermädchen der Luxusresorts entlang der Strände Balis. Selbst Staaten geraten in diesen Strudel der Abhängigkeiten. In Griechenland machen die Einnahmen aus dem Tourismus sonst mehr als zwanzig Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus, in Spanien mehr als vierzehn, in Italien dreizehn. Prompt kehren sich mancherorts die Warnungen, Mahnungen und Verzweiflungen des vorigen Jahres um in Wünsche und Hoffnungen. Wo eben noch an Konzepten gegen die Auswüchse eines „Overtourism“ gearbeitet wurde, sehnt man die Urlauber jetzt so dringlich herbei, dass etwa Venedig doch keinen Eintrittspreis für Tagesbesucher einführen möchte, um bloß niemanden zu verprellen. Auch in Deutschland macht man sich Sorgen.

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