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Russisches Strafgesetz : Tägliche Dresche ist ein Zeichen elterlicher Zuneigung

Rund 140.000 Menschen, überwiegend Frauen, sind in Deutschland von häuslicher Gewalt durch den Partner betroffen. Bild: Picture-Alliance

In Russland soll die körperliche Züchtigung in der Familie künftig nicht mehr strafbar sein. Das Land ist gespalten, selbst Putin-Gegner sind einander uneins.

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          Wie sehr die Erfahrung häuslicher Gewalt zur russischen Normalität gehört, vergegenwärtigt ein alter Witz: Eine Frau bedankt sich bei ihrer Freundin begeistert für ein erotisches Spielzeug, zu dem die ihr geraten hat. „Der kann einfach alles“, freut sie sich, „nur manchmal versetzt er mir einen Stromschlag.“ „Wenn er dich schlägt“, erwidert die Freundin, „heißt das, er liebt dich“ - und zitiert damit ein unsterbliches Sprichwort.

          Kerstin Holm

          Redakteurin im Feuilleton.

          Das russische Parlament hat gerade in dritter Lesung ein Gesetz verabschiedet, wonach es kein Straftatbestand mehr sein soll, Familienangehörige zu schlagen. Übergriffe auf nahestehende Personen, die zwar Schmerzen, blaue Flecken oder Schürfwunden verursachen, aber keine bleibenden Schäden hinterlassen, werden künftig nicht mehr mit Haft bedroht, sondern stellen nur noch eine Ordnungswidrigkeit dar. Konservative Abgeordnete wie Elena Misulina oder Vitali Milonow, die sich besonders für die Novelle starkmachten, argumentieren, sie schütze die Familie. Es gehe nicht an, dass jemand, der einem seiner Angehörigen einen Klaps versetze, als Krimineller stigmatisiert werde, sagt Misulina. Aktuelle Berichte über häusliche Gewalt zeigen freilich, dass nicht Klapse das Problem sind, sondern eine allgegenwärtige Brutalität, die mit noch mehr Brutalität beantwortet wird.

          Zum Schwur geschlagen

          Wie im Falle der Moskauer Schauspielerin Anastasia Slonina, deren Klage gegen den berühmten Aktionskünstler Pjotr Pawlenski diesen in die Emigration trieb. Slonina, die am oppositionellen Dokumentartheater „teatr.doc“ engagiert ist, war dort mit einem Kollegen befreundet, der sie regelmäßig malträtierte. Das ganze Ensemble soll Bescheid gewusst haben. Pawlenski, der sein Leben der Entlarvung staatlicher Gewalt geweiht hat, erfuhr bei einem Besuch im Theater davon und beschloss, dem Sadisten eine Lektion zu erteilen.

          Nach Auskunft der Theaterleiterin Jelena Gremina an Michail Chodorkowskijs Nachrichtenportal „Open Russia“ belehrte der Aktionskünstler den Schauspieler, seine Freundin sei keineswegs sein Eigentum. Als dieser ihm daraufhin hämische SMS-Nachrichten schickte, schlug Pawlenski ihn vor dem Theater zusammen, und die Lebensgefährtin des Künstlers, Oxana Schalygina, nahm dem Verprügelten den Schwur ab, nie wieder Frauen zu misshandeln. Der Schauspieler erstattete Anzeige bei der Polizei, die sich aber erst einmal Anastasia Slonina vorknöpfte und ihr vorwarf, sie sei eigentlich an dem Schlamassel schuld.

          Erst wenn sie umgebracht wird

          Über die anschließende Begegnung in Pawlenskis Wohnung machen Slonina und der Künstler gegensätzliche Aussagen. Die Schauspielerin sagt, Pawlenski habe sich ausgezogen und sie mit einem Messer bedroht. Sie sei mit Schnittwunden aus dem Haus geflohen. Dann zeigte sie ihn an. Pawlenski streitet das ab. Er beschuldigt Slonina der Denunziation und das Theater der Kollaboration mit den Ordnungshütern.

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