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Nachteile von Social Freezing : Der Fetisch mit den Frischzellen

  • -Aktualisiert am

Präparation von Eizellen im Labor Bild: dpa

Apple und Facebook fördern die späte Mutterschaft. Doch eingefrorene Eizellen sind nur die halbe Miete: Wissenschaftliche Studien entlarven den Fruchtbarkeitsoptimismus in Silicon Valley als Augenwischerei.

          Apples und Facebooks Angebot, ihren Mitarbeiterinnen künftig eine Frist-Freikarte für die Reproduktion zu spendieren, hat eine Debatte ausgelöst, die keine sein dürfte. Es ist nämlich, aus medizinischer Sicht, ein ganz und gar unmoralisches Angebot. Wer das Social Freezing hoffnungsvoll eine Option auf Zukunft nennt und überhaupt anfängt, über mögliche Vorteile zu diskutieren, ignoriert, dass es sich um eine gesundheitliche Hypothek für das spätere Leben handelt.

          Frauen und ihre Kinder, ganze Familien, werden dabei den Kürzeren ziehen. Das lässt sich zum einen aus den Risiken später Schwangerschaften und künstlicher Zeugung schlussfolgern. Das lassen zum anderen die bislang kaum zur Kenntnis genommenen Ergebnisse der Neurobiologie vermuten, die der Geburt und der Versorgung von Kindern eine solche Schubkraft für das weibliche Gehirn attestieren, dass jede Stimulation mit Medikamenten dagegen verblasst. An der Biologie der Fortpflanzung lässt sich zeigen, wie schädlich das Angebot der Digitalkonzerne ist. Sofern sich die Konzernleiter überhaupt genug Gedanken über die Konsequenzen gemacht haben, zeugt das Angebot zudem von mangelnder Fürsorge, von Nachlässigkeit im Umgang mit der Gesundheit ihrer Mitarbeiterinnen und deren Nachwuchs. Möglich aber auch, dass die Firmen genügend Unverfrorenheit besitzen, die Frauen zu ihrem und ihrer Kinder Nachteil in eine Falle laufen zu lassen.

          Nur die halbe Miete

          Das Einfrieren mag Eizellen jung halten, die Gebärmutter, der Uterus, jedoch altert mit der Frau. Wenn die Frauen mit vierzig in den Spiegel schauen, müssen sie sich klarmachen, dass ihre inneren Organe und ihre Blutgefäße ebenso der Zeit ihren Tribut haben zollen müssen wie Haut und Haar. Was sich äußerlich allenfalls als unerwünschte, aber dennoch harmlose Falten, Rötungen und Pigmentflecken zeigt, bedeutet in den hochaktiven Organgeweben schlechtere Durchblutung, Verkalkung und einen Stoffwechsel, der viel früher am Limit ist als noch ein Jahrzehnt zuvor. Junggebliebene Eizellen sind nämlich nur die halbe Miete, einnisten möchte sich der Embryo, wenn denn einer entsteht, nur dort, wo ihm optimale Nähr- und Wachstumsbedingungen geboten werden.

          Dass die künstliche Befruchtung oft so wenig Erfolg hat, liegt nicht nur an den gealterten Eiern zu alter Mütter, sondern auch daran, dass die Gebärmutter älterer Frauen weit weniger für eine Einnistung taugt als die der jungen. Die Gebärmutterschleimhaut verändert im Laufe der Zeit ihre Zusammensetzung, und das nicht zum Besten. Die Dezidua, das Ausgangsmaterial für den späteren Mutterkuchen, die Plazenta, reagiert nicht mehr so geschmeidig auf jene Hormonsignale, die die verschiedenen Phasen der Schwangerschaft steuern. Das Grundgerüst des Uterusgewebes, das Stroma, lagert vermehrt Kollagenfibrillen ein. Wie wenig erfreulich sich solche histologischen Details im Hautbild bemerkbar machen, wissen Kosmetikberaterinnen nur zu gut. Welche Barriere eine ungünstige Kollagenzusammensetzung bilden und was das für das Zustandekommen einer Schwangerschaft und ihren weiteren Verlauf bedeuten kann, erklärt niemand gern, denn dagegen gibt es keine Cremes, die man anpreisen könnte. Solches Wissen entlarvt vielmehr das Versprechen, das Ende der reproduktiven Phase ließe sich einfach immer weiter hinausschieben, als Utopie.

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