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Brief zum Hitler-Attentat : Und in gewisser Weise haben wir alle Anteil an dieser Bombe

  • -Aktualisiert am

Hermann Göring (in der hellen Uniform) und der Chef der „Kanzlei des Führers“, Martin Bormann (links), begutachten das zerstörte Führerhauptquartier. Bild: Picture-Alliance

In Sachen Stauffenberg: Ein Brief des Historikers und Georgianers Ernst Kantorowicz über das Attentat vom 20. Juli 1944 ist aufgetaucht. Dadurch wird das Verhältnis des George-Kreises zum Widerstand noch einmal neu beleuchtet.

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          Ernst Kantorowicz gilt als einer der wichtigsten Historiker des zwanzigsten Jahrhunderts. Er wurde 1895 als Sohn einer assimilierten jüdischen Großbürgerfamilie im damals preußischen Posen geboren, er starb 1963 in Princeton, New Jersey, als Mitglied des Institute for Advanced Study. Sein außergewöhnliches bewegtes Leben – Artilleriesoldat im Ersten Weltkrieg; Kämpfer gegen die Spartakisten in Berlin 1919 und gegen die Kommunisten der Münchener Räterepublik; Schüler und Vertrauter des Dichters Stefan George; Autor eines Bestsellers über den Stauferkaiser Friedrich den Zweiten; seit 1932 ordentlicher Professor für mittelalterliche Geschichte an der Universität Frankfurt am Main; emeritierter Professor daselbst seit 1934; Privatgelehrter in Berlin bis zu seiner Emigration in die Vereinigten Staaten um die Jahreswende 1938/39; Professor für mittelalterliche Geschichte an der Universität in Berkeley, Kalifornien; liberaler Widerständler gegen repressive Machenschaften der Universitätsverwaltung in der McCarthy-Ära; Autor eines epochemachenden Werkes zur Politischen Theologie des Mittelalters; Liebhaber auserlesener Weine und Virtuose der Kochkunst –, dieses erstaunliche Leben wurde in der hervorragenden Biographie von Robert Lerner auf umfassender Quellenbasis dargestellt.

          Unbekannt blieben jedoch bislang die Briefe, die Kantorowicz zwischen 1927 und 1963 an seine Geliebte Lucy von Wangenheim (1892 bis 1976) geschrieben hat, noch unerschlossenes biographisches Material, das einen faszinierenden, auch erschütternden Einblick in das Innenleben des Historikers gestattet, sein Werben um die geliebte Frau, seine politischen Urteile, seine – oft witzigen, manchmal bissigen – Kommentare zu Freunden und Weggenossen, sein Leiden an der Entrechtung und Verfolgung der Juden. Viele dieser Briefe, vor allem die aus der Kriegszeit seit 1939, enthalten ausführliche Analysen der weltpolitischen Lage und der Kriegsereignisse. Durch Zeitungen und Rundfunk war er stets vertraut mit den aktuellen Nachrichten. So auch mit den Meldungen über das Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944, die er über das Radio erhalten hatte. Am 23. Juli beschreibt er in dem hier abgedruckten Brief seiner in England lebenden Geliebten Lucy von Wangenheim, wie sehr ihn diese Meldung aufgewühlt hat.

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