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Sloterdijk-Debatte : Lobhudeleien der Gleichheit

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Gegen moralische Erpressung: Peter Sloterdijk beklagt den Verlust des „Zorns” Bild: Jacqueline Godany

Die Frankfurter Philosophieprofessoren Axel Honneth und Christoph Menke behaupten, Peter Sloterdijk habe dazu aufgerufen, den Sozialstaat abzuschaffen; er betreibe „Klassenkampf von oben“. Diese ehrabschneiderische Kritik ist typisch für das Schubladendenken linker Sozialphilosophie.

          Eigentlich hätte das Theater um Sloterdijks Steueridee mit dem Nachweis ökonomietheoretischer Ahnungslosigkeit auf beiden Seiten schon zu Ende sein können (vergleiche Streit unter Philosophen: Axel Honneth attackiert Peter Sloterdijk). Aber des „Zeit“-Feuilletons Entschluss, aus dem Totschlagversuch des Frankfurter Philosophieprofessors Axel Honneth an dem freien Geist Peter Sloterdijk doch noch ein sogenanntes Streitgespräch unter Philosophen zu machen, hat das Ende hinausgezögert, ohne dass dabei qua Argument irgendetwas Neues herausgekommen wäre. Daran konnte auch die helfende Hand aus Kalifornien nichts mehr ändern, zumal diese viel zu versöhnlerisch vorging. Ganz im Gegenteil: Des aufrechten Honneths Wüten wurde fortgesetzt, ja, in Tötungsabsicht überboten durch dessen Frankfurter Kollegen, des ansonsten bewundernswert subtilen Christoph Menke, wie Honneth letzter Sohn beziehungsweise Enkel des letzten großen Repräsentanten der „Kritischen Theorie“, auch Frankfurter Schule genannt.

          Dabei wurde noch einmal ein gewisser Ton vernehmlich, der einem sogenannten „Jungkonservativen“ – so Habermas’ an seine Schüler weitergegebenes Codewort für den unter Irrationalismusverdacht gestellten Nietzsche – immer schon peinlich, ja, intellektuell abstoßend vorkam. Warum? Anlässlich des erneut hörbaren Idioms sei das in einigen kurz gehaltenen Charakteristiken erklärt.

          Ahnungsloser Linkskonformismus

          Wenn die beiden Frankfurter auf der Feuilletonbühne, die sie zu Recht ansonsten meiden, jetzt gegen Sloterdijk antraten, dann auch deshalb, um das Mütchen ihrer Frustration um des verloren gegangenen Bodens willen an dem, wie sie meinen, die Bühne nun beherrschenden freien Geist abzukühlen.

          Gegen Klassenkampf von oben: Axel Honneth beklagt Sloterdijks Herrenmoral

          Bevor ich meinen intellektuellen Widerwillen gegen ihre beiden Auftritte näher begründe, ist ein Geständnis in eigener Sache zu machen: Ich – ansonsten kein Liebhaber von Sloterdijks Sachen – habe das hier anstehende neuerliche Crimen, sein Phantasma über eine freiwillige Steuerabgabe der Wohlhabenden, mit großer Genugtuung gelesen, umso mehr, als es im Kontext von unsäglich peinlichen, linkskonformistisch-ahnungslosen Deklarationen eines ostdeutschen Dichters zu lesen war, der als solcher meinen Applaus hat. Ich las Sloterdijks Einfall als das, was er nur sein konnte: eine leider nie zu realisierende Utopie, sozusagen als eine, um es mit einem abgeänderten Wort Friedrich Schlegels zu sagen, Allegorie auf den transzendentalen Realismus, sprich den Dreiklassenstaat.

          Partei des tierischen Ernstes

          Um des Einfallsvermögens willen allein schon kommt Sloterdijk das Attribut „freier Geist“ zu. Wohlverstanden nicht „Freigeist“, wie es Honneth, fälschlicherweise Nietzsche ironisch zitierend, will. Denn ein „Freigeist“ ist nach Nietzsches Unterscheidung gerade das Gegenteil eines „freien Geistes“: Ein „Freigeist“ ist nichts anderes als der konformistische Wiederholer der Formula des achtzehnten Jahrhunderts, sei es geschichtsphilosophische, moralische oder politische. Und da sind wir bei der Ursache meines Missvergnügens und nicht nur meines allein.

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