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Industrie und Klimawandel : Nach außen wird grün geheuchelt

Erdölförderung in den Vereinigten Staaten. Bild: AFP

Der Fall Siemens ist im Klimastreit nur ein Symptom. Er zeigt, dass nicht nur politisches Gespür fehlt, sondern der Wille zum Ende der fossilen Ära überhaupt.

          5 Min.

          Die Muster, nach denen die „Menschheitsfrage Klimawandel“ (Merkel) derzeit abgearbeitet wird, sind immer noch die einer ökonomischen Betonkultur: anrühren, hart bleiben und grün drüber streichen. Manager wie Politiker geben vor, die existentiellen Fragen, die sich mit der ökologischen Krise des Planeten verbinden, im Kern zu verstehen, ja, sie äußern angesichts der australischen Brandkatastrophe öffentlich Mitgefühl wie Siemens-Chef Joe Kaeser, der in der Kohleminen-Krise „Empathie für alle, die aufstehen und warnen“ äußerte – und dann doch die ganze Wucht der Empörung radikal unterschätzte.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Das politische Gespür ist nicht nur ihm in der Klimakrise endgültig verloren gegangen. Nach außen wird grün geheuchelt und drinnen bleibt man stramm auf Linie: die Geschäfte zählen, die Zukunft muss warten – business as usual. Der Satz, den Kaeser in seiner Stellungnahme zum Festhalten an dem Adani-Vertrag voranstellte, war entscheidend, geradezu entlarvend: „Obwohl wir keine klare Evidenz haben, dass die Buschbrände direkt mit dem Projekt in Zusammenhang stehen, empfinde ich Empathie ...“. Natürlich haben die sechzig Millionen Tonnen Kohle, die künftig in der gigantischen Adani-Carmichael-Mine gefördert werden sollen, nichts mit den Feuersbrünsten heute zu tun, ebenso wenig wie mit dem historischen Korallensterben vor der Küste im Weltnaturerbe Great Barrier Reef. Richtig ist vielmehr: die Adani-Kohle wird die Feuersbrünste und Hitzewellen der Zukunft anfachen. Der Versuch, sich reinzuwaschen, musste scheitern. So naiv ist die Jugend nicht.

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