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Sexuelle Übergriffe : Einer nach dem andern

  • -Aktualisiert am

Wegen Vorwürfen sexueller Belästigung verlor Bill O’Reilly bei Fox News seinen Job. Bild: Reuters

Der Skandal um Harvey Weinstein zeugt von einem außerordentlichen System des Missbrauchs im Show- und Medienbusiness. Doch er ist nicht der einzige, um den es bei den Vorwürfen sexueller Übergriffe geht.

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          Das Ausmaß sexueller Übergriffe im amerikanischen Showbusiness wird durch die von zahlreichen Frauen gegen den Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein erhobenen Vorwürfe für jeden, der einen Funken Interesse dafür übrig hat, augenfällig. Seit der „New Yorker“ die Geschichte über Weinstein brachte, für welche die „New York Times“ durch ihre Recherchen eine Bresche geschlagen hatte, wird die Reihe derjenigen, die sexuellen Missbrauch bezeugen, immer länger.

          Neuigkeiten hat die „Times“ nun auch zu dem Fall mutmaßlichen fortgesetzten sexuellen Missbrauchs, der die Vereinigten Staaten zuvor beschäftigt hat und den früheren Fox-News-Moderator Bill O’Reilly betrifft. So sei der Führung des Senders zwar bewusst gewesen, dass O’Reilly mehr als 45 Millionen Dollar an Frauen überwiesen hatte, die ihn sexueller Übergriffe bezichtigten. Gleichwohl handelte Fox News mit ihm Anfang des Jahres einen neuen Vertrag samt Gehaltserhöhung aus, bevor O’Reilly vier Monate später entlassen wurde.

          In mindestens sechs Fällen habe O’Reilly Schweigegelder bezahlt, berichtet die „Times“ und nennt die unerhörte Summe von 32 Millionen Dollar. Bis dato war bekannt gewesen, dass der Moderator und der Sender Fox News seit 2004 insgesamt dreizehn Millionen Dollar an fünf ehemalige Mitarbeiterinnen gezahlt hatten, die im Gegenzug davon absahen, Klage zu erheben. Obwohl Fox News von den Umständen wusste, bekam Bill O’Reilly im Januar einen Vierjahresvertrags dotiert mit einem jährlichen Honorar von 25 statt zuvor achtzehn Millionen Dollar pro Jahr.

          Nach Sex-Vorwürfen : Fox News feuert Star-Moderator Bill O’Reilly

          Rupert Murdoch, Eigentümer der Muttergesellschaft 21st Century Fox, sowie seine geschäftsführenden Söhne James und Lachlan hatten damals öffentlich gelobt, mit den in der Führungsetage von Fox News offenbar herrschenden Unsitten Schluss zu machen. Vor Bill O’Reilly hatte der inzwischen verstorbene Sendergründer Roger Ailes wegen des Vorwurfs sexueller Übergriffe seinen Hut nehmen müssen. Als es um den vorbelasteten Bill O’Reilly ging, hatte die populäre Moderatorin Megyn Kelly den Sender gerade mit einem ebenfalls hochdotierten Vertrag (zwanzig Millionen Dollar pro Jahr) Richtung NBC verlassen. Das erhöhte den Druck, O’Reilly, der als Quotengarant galt, zu halten, komme, was da wolle. Im April, als die „New York Times“ mit ihren Recherchen zu O’Reilly herauskam, zogen die Murdochs die Reißleine.

          O’Reilly, der inzwischen einen Podcast mit dem Titel „No Spin News“ macht, weist weiterhin alle Vorwürfe von sich und bezeichnet die Anschuldigungen als „politisches und finanzielles Attentat“ auf seine Person. Die frühere Fox-News-Moderatorin Gretchen Carlson, die mit ihren Anschuldigungen Roger Ailes zu Fall gebracht hatte, schrieb derweil auf Twitter: „Niemand zahlt 32 Millionen für falsche Anschuldigungen – niemand.“ Gretchen Carlson hatte mit Fox News eine außergerichtliche Einigung über zwanzig Millionen Dollar geschlossen.

          Auch gegen ihn werden Vorwürfe erhoben: Der Drehbuchautor und Regisseur James Toback.
          Auch gegen ihn werden Vorwürfe erhoben: Der Drehbuchautor und Regisseur James Toback. : Bild: AP

          Die „Los Angeles Times“ hat am Wochenende derweil einen Artikel veröffentlicht, der davon handelt, dass 38 Frauen gegen den Drehbuchautor und Regisseur James Toback den Vorwurf sexueller Übergriffe erheben. Er habe sie auf der Straße angesprochen und ihnen eine Karriere im Filmbusiness in Aussicht gestellt. Toback bestreitet die Vorwürfe. Er habe keine der Frauen getroffen, falls doch, könne es höchstens für ein paar Minuten gewesen sein, woran er keine Erinnerung habe.

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