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Skandal am Haus der Kunst : Jetzt geht es auch um sexuelle Gewalt

Das Haus der Kunst soll umgebaut werden, aber ob der Ausbau realistisch kalkuliert wurde, ist nur eine von vielen Fragen, die sich die Münchner mit Blick auf das Kunstmuseum aktuell stellen. Bild: dpa

Von Scientology unterwandert, mehrfach fast insolvent: Der Eklat, der zur Berufung eines kaufmännischen Geschäftsführers am Münchner Haus der Kunst führte, weitet sich immer mehr aus.

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          Das Haus der Kunst in München erhält zum 1. April einen neuen kaufmännischen Geschäftsführer, der dem seit 2011 amtierenden künstlerischen Leiter Okwui Enwezor gleichberechtigt an der Seite stehen wird. Wie das bayerische Kunstministerium mitteilte, haben Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung des in Form einer gemeinnützigen GmbH betriebenen Ausstellungshauses den siebenundsechzigjährigen Bernhard Spies berufen, der bis zum Eintritt in den Ruhestand Ende letzten Jahres zehn Jahre lang kaufmännischer Geschäftsführer der Bundeskunsthalle in Bonn war.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          An der Prinzregentenstraße wurde die Position eines gleichberechtigten kaufmännischen Geschäftsführers erst im vergangenen Jahr geschaffen, weil ein zweifacher Skandal das Haus erschütterte. Im März 2017 wurde der Personalchef hinausgeworfen, als seine Mitgliedschaft bei Scientology bekannt wurde. Er war schon unter Christoph Vitali in seine Stellung gelangt, dem ersten Geschäftsführer der 1992 gegründeten GmbH. Wie 95 Prozent der von ihm überwachten Aufsichten war der Personalmanager nicht angestellt: Scheinselbständigkeit auf der Führungsebene. Der Scientologe soll in der Personalführung Methoden angewandt haben, wie man sie mit seiner Religion verbindet. Enwezor versicherte, er habe davon nichts mitbekommen. Im Haus nahm man ihm das ab.

          Spezialist für Kriseninterventionen

          Wenige Wochen nach der Enttarnung des Scientologen wurde bekannt, dass das Haus Liquiditätsprobleme an der Grenze der Insolvenz hatte. In Finanzdingen verließ sich Enwezor auf den kaufmännischen Leiter Marco Graf von Matuschka. Enwezor, dessen Geschäftsführervertrag erst 2016 verlängert worden war, konnte in der Krise nur deshalb im Amt gehalten werden, weil ihm bescheinigt wurde, er habe sich, als Freund der Künstler selbst Künstlernatur, um die Führung der Geschäfte im wirtschaftlichen Sinne nicht gekümmert. Dieser moralischen Entlastung für die Vergangenheit musste die rechtliche für die Zukunft folgen: Zum 1. Oktober 2017 wurde ein gleichberechtigter kaufmännischer Geschäftsführer bestellt.

          Von vornherein stand fest, dass Stefan Gros nur für eine Übergangszeit die Geschäfte führen sollte. Der Unternehmensberater, der früher bei Roland Berger tätig war, einem langjährigen Mitglied des Freundeskreises des Hauses der Kunst, ist ein Spezialist für Kriseninterventionen. Gros hätte schon deshalb nicht dauerhaft beschäftigt werden können, weil er nach dem vollen Beratersatz bezahlt wird. Dafür dient ein Sondertopf des Finanzministeriums.

          Die Aufarbeitung der Vorgänge um den Personalverwalter beschäftigte Gros stärker als erwartet. Eine Sonderprüfung erbrachte Indizien für eine Regelmäßigkeit von Unregelmäßigkeiten, die das gesamte wirtschaftliche Handeln affizierten. Zwei Maßnahmen wurden ergriffen. Beendet wurde die Beziehung zu der Rechtsanwaltskanzlei, auf deren Rat sich Enwezor noch nach Ausbruch der Krise gestützt hatte. Dem kaufmännischen Leiter wurde zum Jahresende fristlos gekündigt. Wie der Personalverwalter geht Matuschka arbeitsrechtlich gegen seine Entlassung vor. Aus dem Umstand, dass nun zwei arbeitsgerichtliche Auseinandersetzungen gleichzeitig anstehen, ergibt sich deshalb ein besonderes Risiko, weil Matuschka zum Zeitpunkt der Entlassung des Personalverwalters noch im Amt und für die ordnungsgemäße Abwicklung der Trennung zuständig war.

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