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„Ligue du LOL“-Skandal : Liberal, erfolgreich, frauenfeindlich

Mit der „Ligue du LOL“ ist nicht zu spaßen. Das hat die Zeitung „Libération“ als erste verstanden, ausführlich berichtet und im eigenen Haus Konsequenzen gezogen. Bild: EPA

Sie galten als politisch korrekte Stars: Eine Gruppe französischer Online-Journalisten bildete zehn Jahre lang die Avantgarde des sexistischen Internet-Mobbings. Wieso flogen sie nicht früher auf?

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          Einen Scherz wollten sie sich machen und in den asozialen Netzwerken ein bisschen Dampf ablassen. Sie waren jung, unerfahren und erfolgreich. Zu Beginn des neuen Jahrtausends schlossen sich rund dreißig Online-Journalisten und PR-Berater zu einer „Ligue du LOL“ zusammen, die Abkürzung steht für „Laughing Out Loud“ (laut auflachen) und wird im französischen Netzjargon mit „vor Lachen gestorben“ („mort de rire“) übersetzt: mdr. Vermutlich spielte bei der Taufe auch das berühmte Spiel „League of Legends“ eine Rolle. Die Mitglieder der „Liga LOL“ gründeten eine Facebook-Gruppe und trieben ihr Unwesen auch auf Twitter.

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

          Ganz besonders eifrig waren die Netzaktivisten zwischen 2009 und 2012. Sie lancierten sexistische Kampagnen gegen Kolleginnen und Kollegen, über deren Ausmaß noch wenig bekannt ist. Ihre Zielscheiben waren meist Frauen, vor allem Feministinnen, und deren Lebenspartner. Seit ein paar Wochen werden in den Redaktionen die damaligen Attacken untersucht. Als erstes Medium hat am vergangenen Freitag „Libération“ über die fast ein Jahrzehnt zurückliegenden Vorfälle informiert. Seither melden sich die Opfer zu Wort, bei denen es sich zum Teil um prominente Journalistinnen und Moderatorinnen handelt. Sie berichten von ihrer Wehrlosigkeit, von Depressionen und Suizidgedanken.

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