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Sexismus in Italien : Frauen als lebendiges Dekor

Shaila Gatta (links) und Mikaela Nease mit den beiden Moderatoren von „Striscia la notizia“ Bild: Picture-Alliance

In kaum einem Land hatte #Metoo weniger Wirkung als in Italien. Die Berlusconisierung von Kultur und Politik sorgt dafür, dass Sexismus noch immer weit verbreitet ist.

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          Man stelle sich eine politische Talkshow in Deutschland vor, zu Gast sind zwei Journalistinnen und zwei Journalisten. Der Moderator und die Journalisten werden gesiezt, die Frauen von allen Anwesenden aber nur mit Vornamen angesprochen. Man würde meinen, in eine Fernsehaufzeichnung aus den Jahren der frühen Bundesrepublik geraten zu sein. In Italien verlangt ein solches Szenario keine Zeitreise. In der Nachrichtensendung „Di Martedi“ auf La7 war man kürzlich live mit dabei.

          Karen Krüger

          Redakteurin im Feuilleton.

          Die Diskussion über das Verfassungsreferendum lief schon eine Weile, als Concita De Gregorio, Redakteurin bei der linken Zeitung „La Repubblica“, der Kragen platzte. Gerade hatte Alessandro Sallusti, Chefredakteur des rechts-konservativen Berlusconi-Blatts „Il Giornale“, sie wieder geduzt: „Entschuldigung, warum nennen Sie mich beim Vornamen, obwohl ich Sie mit Nachnamen anrede?“ „Entschuldigen Sie, Frau Doktor“, sagte Sallusti – mit Doktor wird in Italien jeder angeredet, der einen Hochschulabschluss hat. „Der Nachname würde mir genügen“, sagte De Gregorio, worauf Sallusti nicht einging: „Liebe Frau Doktor, ich vergaß, dass sie nicht mit dem gemeinen Volk gleichgesetzt werden wollen.“ „Nein, ich verlange keinen Titel, darum geht es nicht“, der Punkt sei ein ganz anderer: „Es geht mir um etwas Grundsätzliches. Ich verstehe nicht, warum alle anderen hier mit Nachnamen angesprochen werden und ich nur mit meinem Vornamen.“

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