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Sexismus bei Google : Wie Männer so sind

Unterbrach eigens seinen Urlaub: Google-Chef Sundar Pichai Bild: AP

Ein Programmierer von Google schreibt ein Memo, in dem er sich Gedanken über Gleichberechtigung macht. Der Text wird als „antifeministisches Manifest“ aufgefasst, der Autor fliegt – und Google bläst die Diskussion darüber ab.

          Zehn Seiten lang ist das Memorandum, das der Programmierer James Damore geschrieben hat. 3300 Wörter soll es umfassen, haben Kritiker nachgezählt und es als „antifeministisches Manifest“ ausgewiesen. Seinen Verfasser hat es den Job gekostet. Kaum hatten seine Überlegungen das Intranet von Google verlassen, zog der Netzkonzern den Stecker. Und handelte damit genau so, wie es Damore in seinem vermeintlichen „Manifest“ beschreibt, das man schon etwas genauer lesen sollte, bevor man Google applaudiert.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Denn auf diesen zehn Seiten nähert sich der Programmierer Damore, nachdem er erklärt hat, dass er Vielfalt und Inklusion schätze, nicht verleugne, dass es Sexismus gebe, und er Stereotype nicht befürworte, umständlich und mit vielen Einschränkungen und Verweisen auf die von ihm gepriesenen Vorzüge von Vielfalt, der Frage, warum Frauen in der Tech-Branche, im Silicon Valley und bei Google in Führungspositionen unterrepräsentiert sind und warum sie schlechter bezahlt werden. Die Gründe dafür macht er in Verhaltensweisen von Männern und Frauen aus, die auch „biologisch“ bedingt und nicht nur „sozial konstruiert“ seien. So seien Frauen stärker sozial veranlagt, suchten Konsens und Zusammenarbeit, Männer hingehen interessierten sich mehr für systematisches Denken, hätten deshalb vielleicht einen direkteren Zugang zum Programmieren, seien auf jeden Fall auf „Status“ und dessen Symbole fixiert, während Frauen eher nach einer Work-Life-Balance strebten, die nicht darin bestehe, Tag und Nacht am Arbeitsplatz zu verbringen, und lieber in Teilzeit arbeiteten. Es falle ihnen schwerer, übers Gehalt zu reden, eine Gehaltserhöhung zu verlangen und zu führen.

          Dass das am Dominanzverhalten von Männern und an den darauf beruhenden Machtverhältnissen liegen könnte, schreibt Damore nicht, ist aber der Ansicht, man könne in einem Unternehmen wie Google einiges ändern, um Frauen zu fördern. Die Programme, die Google zur Unterstützung „von Leuten mit einem bestimmten Geschlecht oder einer bestimmten Rasse“ eingerichtet hat, hält Damore für kontraproduktiv, exkludierend und das Ergebnis einer linken Gender-Ideologie, die auf Gleichmacherei setzt. Statt auf solche geschlossenen Veranstaltungen solle Google auf eine offene Diskussionskultur setzen. Es solle die Geschlechterdebatte entemotionalisieren, entmoralisieren und „konservative“ Standpunkte nicht dämonisieren, nach dem Motto: Debatte, nicht Beschämung.

          So weit Damores Text, der selbstverständlich angreifbar ist, etwa wenn er küchenpsychologisch fabuliert, Frauen hätten von Natur aus nicht die richtigen „Nerven“, um zu führen. Man kann sein Schreiben so oder so lesen – als unausgegoren, paternalistisch, als Vermittlungsversuch, als Wehklagen von einem, der seine und die Felle seiner „Klasse“ (ältere, weiße Männer) davonschwimmen sieht, oder als Kampfansage. Reagiert hat Google leider in der Weise, wie man sie von den im Internet ausgefochtenen Geschlechterkämpfen kennt. Zuerst tat Danielle Brown, die bei Google als Vice President für „Diversity, Integrity & Governance“ zuständig ist, kund, das Memorandum vertrete einen Standpunkt, den weder sie noch Google „befürwortet, fördert oder unterstützt“. Zwar stehe man für eine Unternehmenskultur ein, in der sich diejenigen mit abweichenden Meinungen sicher fühlen könnten, diese auch zu äußern. Doch habe dieser Diskurs den Prinzipien gleicher Beschäftigungschancen zu folgen, formuliert in Googles „Code of Conduct“, Unternehmenspolitik und Antidiskriminierungsrichtlinien.

          Falls das als Wink mit dem Zaunpfahl zu verstehen war, folgte der nächste Schritt prompt. Damore wurde gefeuert. Für eine fristlose Kündigung braucht ein Arbeitgeber in Kalifornien zwar keine besonderen Gründe anzugeben, doch könnte der in diesem Fall offensichtliche Grund für Google zum Problem werden – wenn Damore, wie er es angekündigt hat, vor Gericht darlegt, wegen seiner Meinungsäußerung entlassen worden zu sein.

          Was folgt, ist der in solchen Fällen leider auch übliche Verlauf: ein Hexensabbat. Feministinnen erklären Damore zur persona non grata, für die Männerfraktion der Alt-Right ist der Programmierer ein Held, gefeiert von „Breitbart“ und anderen, für den schon Geld gesammelt wird, damit er juristisch gegen Google zu Felde ziehen kann. Es werden Recherchen unternommen, die ihn in ein schlechtes Licht rücken sollen, es wird nach seinem Verhalten als Student und seinen Universitätsabschlüssen gefragt, die Skandalisierungsmaschine läuft auf vollen Touren.

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          Und so zeigt sich abermals, was geschieht, wenn man Ansichten, die einem widerstreben, die man für falsch, für nicht satisfaktionsfähig hält, mit einem Denkverbotsschild bedenkt, wenn man vermeintlich „konservative“ Standpunkte mit Stereotypen wie „frauenfeindlich“ und „rechtsradikal“ versieht und als indiskutabel ausweist. Davon profitieren nur die Extremen und Ideologen zur Linken wie zur Rechten. Den Frauen nicht nur bei Google jedoch wäre viel mehr damit gedient, ein Memo wie dieses „Manifest“ Punkt für Punkt zu hinterfragen, damit den Männern bei der nächsten Gehaltsverhandlung der „gender gap“ wirklich um die Ohren fliegt.

          Keine Diskussion

          Google selbst hatte für Freitag eine Diskussionsveranstaltung zu dem Thema geplant – und kurzfristig abgesagt. Konzernchef Sundar Pichai führte zur Begründung Sicherheitsbedenken an: Namen von Google-Beschäftigten, die bereits Fragen für die Veranstaltung eingereicht hatten, seien im Internet aufgetaucht. Er versprach, in den kommenden Tagen neue Vorschläge für eine Veranstaltung zu machen, „so dass sich jeder frei äußern kann“.

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