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Sexismus in der Schreibschule : Diskriminierungsdebatte am Literaturinstitut Hildesheim

  • -Aktualisiert am

Wichtig ist auch, was man nicht sieht: Rote Schuhe machen in Mexiko auf verschwundene Frauen aufmerksam. Bild: Picture-Alliance

Keine einzige Dozentin oder Professorin, und die Studentinnen werden immer weniger: Absolventen des Literaturinstituts Hildesheim schreiben über ihre Erfahrungen mit Sexismus an ihrer Hochschule. Ihre Berichte sind ernüchternd.

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          Wie man die obskuren Mechanismen der Ungleichbehandlung – politischer gesagt: „Diskriminierung“ – artikulieren kann, das ist eines der größten Probleme aller modernen Emanzipationsbewegungen. Wie soll man über etwas reden, was seltsam unsagbar ist? Und wen soll man verantwortlich machen für die Konsolidierung unausrottbarer Geschlechtermythen, gegen die zivilisierterweise auch moderne Männer etwas haben? Wer will schon soziales Verhalten sanktionieren, wenn Diskriminierung in der westlichen Berufswelt heute nicht mehr mit justitiablem Poklatschen einhergeht, sondern viel subtiler vonstattengeht.

          Vor genau diesen Problemen steht eine Diskussion, die zunächst auf dem Blog des Poetenfestivals Prosanova unter Absolventen beiderlei Geschlechts des Literaturinstituts Hildesheim und, „aus der Halbdistanz“, nun auch im Blog der Kulturzeitschrift „Merkur“, die selbst ein Proporzproblem hat, ausgetragen wird. Dass keine einzige Hildesheimer Professur oder Dozentur von einer Frau bekleidet wird: Zufall oder teuflisches Komplott? Man kennt diese Rechnungen von der Diskussion um die Frauenquote. Ist sie nur ein anderes Wort für Leistungsdiskriminierung?

          Fast nur noch in Männergruppen

          Mit dem Sexismus im literarischen Feld ist es eine Crux: „Mir fällt nachträglich keine einzige Situationen ein, in der ich am Institut übervorteilt oder benachteiligt wurde, weil ich eine Frau und nicht weiß bin. Keine einzige“, schreibt die aus Iran stammende Schreibschulabsolventin Shida Bazyar. Der Satz bündelt die ganze Problematik des heutigen westlichen Feminismus. Denn nur weil etwas nicht greifbar ist, ist seine Nichtexistenz noch nicht bewiesen: „Mir fallen nachträglich mehrere Situationen ein, in denen am Institut Witze gemacht wurden, in denen schelmisch augenzwinkernd mit oder über Frauen kokettiert wurde, ganz bürgerlich, ganz anzüglich, ganz schön eklig. Fast niemand hat es thematisiert. Nie hat man ein solches Verhalten gegenüber Männern erlebt (zum Glück).“

          Auch im Bericht von Alina Herbing geht es nicht um sexistische Skandale, sondern um kommunikative Rituale. „Wir sind 32 Studierende in meinem Jahrgang, davon lediglich acht Männer. Im ersten Semester verlassen zwei Studentinnen den Studiengang, nach dem zweiten Semester sind zwei oder drei weitere weg, ein paar sind kaum noch in den Seminaren zu sehen, nach dem dritten Semester bin ich als einzige Frau in meiner Anfangsclique übrig geblieben. Während ‚die Jungs‘ mit den jüngeren Dozenten Fußball spielen oder gucken, lege ich viel Wert darauf, wenigstens beim Biertrinken danach dabei zu sein. Außerdem bin ich Hiwi der Institutsleitung, und so halte ich mich in den kommenden Jahren fast nur noch in Männergruppen auf, als einzige oder eine von wenigen Frauen, was ich natürlich bemerke, aber lange nicht reflektiere.“

          Gekoppelt an zahlenmäßige Überlegenheit

          Na und? Kann doch keiner was dafür, dass die alle ihr Studium abbrechen. Doch halt! „Homosoziale Männergemeinschaften“ lautet Herbings Stichwort, das einige Leser auf die Palme bringen wird, weil es so schlimm neidisch klingt. Der Soziologe Michael Meuser hat darüber geforscht und ist zu dem wenig überraschenden Ergebnis gekommen, dass männliche Privatzusammenkünfte außerhalb der Arbeit (Fußball, Biertrinken, Mountainbiken) den Zusammenhalt der Gruppe stärken und, in der Berufswelt, auch die Dominanz gegenüber Frauen, je unbewusster, desto effektiver.

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