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Sex-positiver Feminismus : Was soll der Trend zum weiblichen Körperroman?

  • -Aktualisiert am

Hätte Virginia Woolf es heute anders gemacht? Nicole Kidman in „The Hours“ Bild: Picture-Alliance

Seit Virginia Woolf in ihrem Essay „Ein Zimmer für sich allein“ vor neunzig Jahren die Frauenfrage stellte, hat sich vieles verbessert. Aber nicht alles. Was sie wohl von der Literatur heute hielte?

          6 Min.

          Können Sie sich vorstellen, wie viele Bücher über Frauen im Laufe eines Jahres geschrieben werden? Können Sie sich vorstellen, wie viele von Männern geschrieben werden? Ist Ihnen bewusst, dass Sie das vielleicht am meisten erörterte Wesen des Universums sind?“ Vor neunzig Jahren stellte Virginia Woolf diese Fragen einer breiteren Öffentlichkeit. Gerade war ihr queerer Roman „Orlando“ erschienen. Der Autorin ging es blendend. Das Buch verkaufte sich blendend. Und deshalb auch ihr im selben Jahr, 1929, erschienener Essay mit dem Titel „A room of one’s own“, zu Deutsch: „Ein Zimmer für sich allein“ oder „Ein eigenes Zimmer“ – je nachdem, welche der insgesamt drei Übersetzungen man zur Hand nimmt.

          20.000 verkaufte Exemplare einer polemischen Literaturgeschichte Englands, die gleich auf den ersten Seiten ihre eigene Fragestellung in Frage stellt: „Frauen und Literatur bleiben, was mich betrifft, ungelöste Probleme.“ Würde man heute – wie Woolf damals – von den beiden Mädchen-Colleges in Cambridge den Auftrag erhalten, über das Thema Frauen und Literatur nachzudenken, käme man vermutlich zu einem ähnlichen Ergebnis. Nur aus komplizierteren Gründen. Denn die meisten der von Woolf skizzierten Verhältnisse haben sich neunzig Jahre nach ihrer Inventarisierung radikal verändert. Woolfs Forderungen, Frauen ein gedeihliches intellektuelles Wirken zu ermöglichen, dürften sich vielfach realisiert haben: ökonomische Unabhängigkeit vom Gatten, der uneingeschränkte Zugang zu Bildungsinstitutionen und ein abschließbares eigenes Zimmer. Alles also in Butter?

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