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Seuche im Anthropozän : Was uns die Krisen lehrten

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Allein schaffen wir es nicht: Daniel Defoes Held Robinson Bild: Picture-Alliance

In dem Moment, in dem der Kampf gegen das Virus in die entscheidende Phase geht, entzweit sich die Welt. Dabei hat sie erstmals alle Mittel, zu zeigen, wie Menschheitskrisen gemeinsam zu meistern sind.

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          Im Jahre 2020 erleben wir Ungeheuerliches: Eine Viruskrankheit mit dem Aktendeckelnamen Covid-19 entwickelt sich mit historisch beispielloser Geschwindigkeit zur Pandemie. Das Geschehen wird per digitaler Dauersendung live in die entferntesten Winkel der Erde übertragen. Staatsregierungen rund um den Globus blockieren nach wissenschaftlicher Anleitung die Bewegungsfreiheit eines Großteils der Weltbevölkerung und stürzen dadurch die Weltwirtschaft in eine tiefe Rezession. Dies ist ein systemischer Schock, der den Fortgang der Moderne empfindlich hemmen oder aber kräftig beschleunigen kann. Höchstens dem Fall der Berliner Mauer im Jahr 1989 wird man später eine ähnliche Wirkmacht zuschreiben.

          Die Corona-Krise markiert tatsächlich den Beginn einer neuen Zeit, aber aus Gründen, die aktuell kaum beleuchtet werden. In der Atemlosigkeit des Schauerns und Zagens entgeht den meisten, dass wir gerade Zeugen eines speziellen Erstversuchs an der Menschheit durch die Menschheit werden. Es ist der Versuch, eine Pandemie zu gestalten. Im Zentrum steht die modellgestützte Seuchenchoreographie, bei der nationale Neuinfektionen, regionale Behandlungskapazitäten und altersbedingte Immunisierungsraten in ein stabiles Fließgleichgewicht gebracht werden sollen. Deutschland etwa will die Gesamtbevölkerung dosiert durch die Ansteckung schieben oder Covid-19 sogar wieder auf lokalisierte, leicht zu kontrollierende Infektionsherde zurückführen, notfalls so lange bis ein Impfstoff verfügbar wird. Willkommen im Anthropozän!

          Die kollektive Menschheit als Protagonist

          Mit diesem Begriff umschreiben wir inzwischen das allerjüngste Erdzeitalter (seit etwa 1950), in dem unsere technische Zivilisation zur geologischen Kraft geworden ist und damit ihre eigenen planetaren Existenzbedingungen herstellt. Das geschieht bisher eher beiläufig, insbesondere beim Weltklima, das durch die Treibhausgasemissionen der fossilen Wirtschaftsweise aus den Fugen zu geraten droht. Ein Vorgang vergleichbar mit einem Asteroideneinschlag in Superzeitlupe. Ähnliche Metaphern werden in der aktuellen Debatte über den richtigen Umgang mit der Corona-Gefahr verwendet. In der Tat spielt der Faktor Zeit die Hauptrolle auf der Klima- wie auf der Corona-Bühne. Und auf beiden Bühnen werden gerade echte Anthropozän-Dramen aufgeführt, mit verblüffenden Ähnlichkeiten, aber auch fundamentalen Unterschieden. Der gemeinsame Protagonist ist jedenfalls die kollektive Menschheit, die zum Beherrscher – oder Verderber – ihrer selbst und der Natur wird.

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