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Serie „Wildwechsel“ : Die Bedeutung der Waldschnepfe

  • -Aktualisiert am

Weder im Laub- noch im Nadelwald leicht zu entdecken: eine Waldschnepfe Bild: Norbert Walheim

Früher hieß es, dass bei schlechtem Wetter zur aktuellen Jahreszeit die Aussicht auf die kommende Schnepfenjagd schlecht sei. Welche verrückten Legenden hegen sich noch um diesen Vogel?

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          Als es noch nicht so war, dass die Europäer ganzjährig Avocados und Erdbeeren aßen, war das Jahr nach Licht und Temperaturen unterteilt. Wie lange es hell und ob der Boden noch gefroren war, bestimmte, was draußen zu tun war. Feste markierten die Übergänge und Höhepunkte. Die religiösen Riten gaben den das Jahr einteilenden Kirchensonntagen die Namen. Die Jäger richteten ihr Tun nach den Balz- und Brutzeiten und den durch den Naturkreislauf von Werden und Vergehen bestimmten Jagdzeiten aus. Warteten sie auf den Frühling und die Rückkehr der Zugvögel, zählten sie die Fastensonntage vor Ostern ab, um zu rekapitulieren, wie der Schnepfenzug zeitlich verlief und wann die Jagd erlaubt war: „Invocabit – nimm den Hund mit / Reminiscere – Putzt die Gewehre / Okuli – da kommen sie / Lätare – Das ist das Wahre / Palmarum – Trallarum / Quasimodogeniti – halt, Jäger, halt, jetzt brüten sie!“

          War das Frühjahr aber kalt und nass wie dieses, bot das für die Schnepfenjagd traurige Aussichten. Dann ging der Kirchensonntagsreim anders: „Reminiscere – Noch Eis und Schnee / Okuli – sie sind nicht hie / Laetare – nicht einmal rare / Judica – noch keine da / Palmarum – Trallarum.“

          Dass Jäger wahre Dichter sein können, sieht man gerade daran, dass nicht jede Zeile gleich verständlich ist: „Trallarum“?

          Richtig hingegen war die frühe Beobachtung, dass die Waldschnepfen warmes und diesiges Wetter lieben. Um Vollmond herum kann man sie an Frühlingsabenden am besten sehen, die heimlichen Vögel mit den dünnen, langen, am Ende leicht gebogenen Schnäbeln. Ihre Balzflüge in der Dämmerung halten von Mitte März bis Ende Mai an. Wer dann an lichten Stellen, an Schneisen oder am Rand des Waldes steht, wird sie dreißig oder vierzig Meter hoch über den Baumkronen fliegen sehen und sie puitzen und quorren hören. In der Jägersprache heißt dieses Naturschauspiel Schnepfenstrich. Dass sie balzen, also werben, bedeutet indes leider nicht unbedingt, dass sie dort auch brüten, denn die Zugvögel beginnen die Balz oft schon unterwegs. Von den Vorbergen des Himalayas bis nach Mitteleuropa finden sie ihr Habitat in Wäldern.

          Zauberhafte Legenden

          Dabei ist ihr weiß-grau-braun-ockerfarbenes Gefieder so meliert, dass man die Waldschnepfe weder im Laub- noch im Nadelwald leicht entdeckt. Um einen Vogel, der so besonders aussieht, ranken sich naturgemäß zauberhafte Legenden. So soll eine Waldschnepfe die Spuren der Heiligen Familie auf ihrem Weg nach Ägypten verwischt haben. Die Jungfrau Maria soll dem Vogel zum Dank die Heimlichkeit geschenkt haben, dass „man niemals ihr Nest solle auffinden können“, wie es in Ernst und Luise Gattikers Buch „Die Vögel im Volksglauben“ heißt.

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