https://www.faz.net/-gqz-7loxo

Serie: High-Tech-Kriege I : Wenn die Technik zur Waffe wird

  • -Aktualisiert am

Bild: AFP

Bald werden uns Computer töten. Die Debatte darüber ist überfällig. Bisher aber wurden Drohneneinsätze speziell über Europa weitgehend totgeschwiegen. Dabei entwickeln sich die Methoden des mechanischen Tötens Tag für Tag fort.

          Technologie war schon immer eine entscheidende Triebkraft militärischer Auseinandersetzungen. Wer die moderneren, tötungsmächtigeren Waffen besaß, hatte einen Vorteil. Waffen multiplizieren die Kraft und Macht des Menschen. Auch Computer und Netze waren schon früh Bestandteile militärischer Systeme: Das Atomwaffenzeitalter war zugleich auch immer das Zeitalter der Computer.

          Nun stehen wir nicht an, sondern bereits hinter der Schwelle zweier neuer Folgen der militärischen Technologieentwicklung. Die „Elektronengehirne“ sind schnell und gut genug geworden, dass sie autonome Killerroboter steuern können, die zur Tötung von Menschen kaum noch menschlicher Hilfe bedürfen. Und die Computer und Netze sind selbst zum Schlachtfeld geworden - zu einem Zeitpunkt, wo unsere Abhängigkeit von ihnen nahezu total geworden ist.

          Die Entwicklung der Technik ist dabei - wieder einmal - schneller als die gesellschaftliche Diskussion. Militärs und Geheimdienstler schaffen Fakten, weitgehend unbeeinträchtigt von politischer und demokratischer Kontrolle. Die Debatten um Technologie als Waffe werden entscheidend sein für die Frage, in was für einer Gesellschaft wir leben wollen und welche Rolle der Mensch darin noch spielt.

          Falschinterpretationen der Situation

          Drohnen als weitblickende fliegende Augen sind eine Technologie, deren Vorteile unmittelbar einleuchten, auch denen, die nicht militärisch denken. Nicht umsonst wird ihnen in militärischen Kreisen nachgesagt, der „perfekten Waffe“ nahezukommen. Zugleich aber lösen sie Ängste aus, da der Vorteil schnell als eigener Nachteil erkannt wird, wenn man sich auf der falschen Seite des Kampfes befindet.

          Und auch die Gefahr der „Kollateralschäden“ ist in den letzten Monaten vielfach öffentlich diskutiert worden, meist anhand von tatsächlichen Falschinterpretationen der von der Sensorik erfassten Situation, die zu unbeabsichtigten Verletzten oder Toten führte.

          Natürlich sind die Maschinen immun gegen menschliche Fehler und Gefühle wie Rache und Mordlust, die in den Kriegen der vergangenen Jahrhunderte immer wieder brutale Gewalttaten hervorbrachten. Doch selbst wenn der Stress der unmittelbaren Kampfsituation und die Bedrohung des eigenen Lebens bei Drohnenpiloten nicht vorhanden ist, wird auch bei ihnen von erheblichen psychischen Problemen berichtet. Es bleibt nicht ohne Folgen, wenn man tagsüber auf Schicht pakistanische Zivilisten per Fernsteuerung massakriert und nachmittags zum Schul-Barbecue mit den Kindern fährt.

          Die Systeme „Predator“ und „Reaper“

          Die Vorstellung davon, wozu Drohnen technologisch in der Lage sind und in welchen Formen sie bereits existieren und zukünftig gebaut werden, ist jenseits der informierten Zirkel noch wenig ausgeprägt. Für eine politische Diskussion über die Entscheidungen zum Kauf und Einsatz sowie bei Fragen der Ächtung ist es jedoch unumgänglich, ein paar Details der Technik und ihrer Anwendung zu kennen. Bekannt sind vor allem die bewaffneten Systeme „Predator“ und „Reaper“, die durch die zahlreichen amerikanischen Einsätze in Pakistan, Somalia und Jemen ins Licht der Öffentlichkeit rückten.

          In diesen drei Ländern wurden in den vergangenen elf Jahren mindestens 430 Drohnenangriffe geflogen. Die „Teilnahme“ der Amerikaner an den nie erklärten Kriegen dort bestand also primär darin, teilautonome Waffen in den Luftraum zu beordern, die das Leben eigener Soldaten nicht unmittelbar gefährdeten. Zusätzlich wurden im Kriegsgebiet in Afghanistan seit 2009 nach freigegebenen Dokumenten der amerikanischen Air Force über 1300 Waffen von „Remotely Piloted Aircrafts“, also ferngesteuerten Flugrobotern, abgeschossen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Braunkohlekraftwerk Jänschwalde hinter dem ehemaligen Braunkohletagebau Cottbus-Nord

          Details des Klimapakets : Wer hat’s erfunden?

          Kommenden Freitag soll das Klimapaket beschlossen werden. Um die entscheidenden Details wird bis zuletzt gerungen: Offen ist vor allem die Frage, wie viel die Tonne CO2 kosten soll.
          Der frühere türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu trat am Freitag mit fünf anderen Politikern aus der AKP aus.

          Austritte aus der AKP : Rebellion gegen Erdogan

          Einige prominente Politiker sind aus der türkischen Regierungspartei AKP ausgetreten, um ihre eigenen Bewegungen zu gründen. Für den türkischen Präsidenten Erdogan könnte es eng werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.