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Fremdbestimmte Lebensentwürfe : Macht Schluss mit dem Seniorenmarketing!

  • -Aktualisiert am

Paar am Strand: Die Reise- und Konsumgüterindustrie hat das Alter als Marktlücke entdeckt. Bild: Picture-Alliance

Man hat den Eindruck, dass es um das Alter noch nie so gut bestellt war wie heute. Doch der Schein trügt. Wer heute alt ist, darf es nicht sein. Zeit, damit aufzuhören. Ein Gastbeitrag.

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          Es ist erst ein kurzes Menschenleben her, dass es in einer damals vielbeachteten Philosophie des Alters hieß: „Alle Welt weiß es, die Lage der alten Menschen ist heute skandalös.“ In ihrem Klassiker „Das Alter“ zeichnete Simone de Beauvoir 1970 ein düsteres Bild des Alters in der modernen Welt. Da ist von Verachtung, der sich alte Menschen ausgesetzt sehen, die bis zu ihrer völligen Ausgrenzung aus der Gesellschaft reicht, die Rede. Und auch die Lebenserwartung, rechnete de Beauvoir vor, ist vor allem nur dank einer Senkung der Kindersterblichkeit gestiegen, ansonsten aber seit dem neunzehnten Jahrhundert relativ konstant geblieben.

          Von alldem kann in den ökonomisch fortschrittlichen Ländern heute keine Rede mehr sein: Alte Menschen sind nicht aus der Gesellschaft verdrängt, sondern in deren Mitte anzutreffen, und sie erreichen ein immer höheres Alter. Im Alter von hundert Jahren bekommt man dann Post aus dem Bundespräsidialamt; im letzten Jahr gratulierte der Bundespräsident viertausend Altersjubilaren, die hundert oder älter geworden waren, und fast sechzehntausend Ehejubilaren, Paaren, die ihren fünfundsechzigsten oder siebzigsten Hochzeitstag feierten.

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