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Selenskyj vor dem Bundestag : Helden gesucht

  • -Aktualisiert am

Applaus nach Vorschrift: Selenskyi und die Abgeordneten des Bundestags Bild: dpa

Der ukrainische Präsident kritisiert Deutschland – und Deutschland jubelt ihm dafür zu. Aber hinter der Heldenverehrung verbirgt sich ein schlechtes Gewissen.

          2 Min.

          Was hatte man sich eigentlich davon versprochen, den ukrainischen Präsidenten zum Bundestag sprechen zu lassen? Es war von vornherein klar, dass dies, rein als Sprechakt betrachtet, ein einziger Hilferuf sein würde, der kein Gehör finden würde und auch gar nicht könnte – es sei denn, man wollte von deutscher wie überhaupt von westlicher Seite am Ende doch einen Bündnisfall riskieren. Wolodymyr Selenskyj selbst wird ja kaum erwartet haben, dass die Abgeordneten hinterher sagen würden: Ja, wenn das so ist, Herr Präsident, dann überlegen wir uns das nochmal und machen natürlich mit bei diesem Krieg. Offensichtlich gab es auf deutscher Seite nicht die Befürchtung, dass der Auftritt eines Mannes in dieser Lage auf moralische Erpressung hinauslaufen könnte, die man nur mit Verlegenheit quittieren könnte.

          Edo Reents
          Redakteur im Feuilleton.

          Man hat Selenskyj, wegen seines Mutes und seiner Tapferkeit, schon mit Winston Churchill verglichen. Nun, was die Deutschen betrifft, so könnte der Ukrainer von dem britischen Kriegspremier tatsächlich etwas lernen: dass man die Deutschen entweder an der Gurgel oder zu Füßen habe. Anders ist es schon nicht zu erklären, dass ein Staatschef, der wegen seiner Schauspieler-Vergangenheit und weil er gegen die Korruption in seinem Land nichts ausrichten wolle oder könne, eher skeptisch beurteilt wurde, in kürzester Zeit eine Helden-, ja, man könnte fast meinen Heiligenverehrung erfährt, wie sie für eine zum Politkitsch und zum Personenkult ohnehin neigende Öffentlichkeit bezeichnend ist.

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