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Wikipedia in der Schweiz : Das ist ein bisschen viel Wikiwaschi

Alles so schön Sonnenuntergang hier: Ein Wanderer blickt auf den Berg Säntis in der Schweiz. Bild: dpa

Bei Wikipedia schreiben Schweizer Beamte mit. Einige haben ihr Land so lange schöngefärbt, bis es unangenehm auffiel. Handelten sie auf höhere Weisung?

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          Meist ist Wikipedia der erste Reflex. Zu - fast - jedem Thema gibt es bei der Enzyklopädie der Freiwilligen einen Eintrag. Wissen für alle, Wissen umsonst: Wikipedia hat im Internet eine Utopie realisiert. Die Suchmaschinen verweisen auf ihre Seiten, auch Journalisten nutzen sie eifrig. Wie Millionen von vertrauensseligen Surfern, die Wikipedia zu einer der meistbesuchten Websites überhaupt machen.

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

          Wie alle Utopien ist auch Wikipedia eine Gefahr, die mit dem großen Erfolg der Enzyklopädie immer größer wird. Den freiwilligen Autoren der Einträge stehen ganze Armeen von professionellen PR-Leuten gegenüber, die Artikel überwachen und eingreifen, wenn darin etwas steht, was ihnen nicht gefällt. Rund um das Lexikon hat sich ein lukratives Business entwickelt. Es ist das gleiche, das die Einträge in Hotel- und Restaurant-Führern wie Tripadvisor observiert, korrigiert, manipuliert. Erstaunlicher ist, dass die Schönfärberei auch von den Beamten der Schweizerischen Bundesverwaltung ziemlich flächendeckend betrieben wird.

          Die Beamten schreiben fleißig

          Ihren Eingriffen hat die Zeitung „Nordwestschweiz“ nun eine umfassende Recherche gewidmet. Mit Hilfe eines norwegischen Computerprogramms konnten die Änderungen ausgewertet werden, die von den 25 000 Rechnern der Verwaltung vorgenommen wurden. Im vergangenen Jahr ging es um 398 Artikel, in den letzten fünf Jahren um mehr als 1500. Eine Änderung betraf einen Rechtschreibfehler im Eintrag über die Yéyé-Musik. An solchen Bagatellkorrekturen stößt sich kein Mensch, es bleibt die Frage, ob sie die Aufgabe der Beamten während ihrer Arbeitszeit sind.

          Das Online-Lexikon ist für alle da: Schweizer Beamte haben es mit der Artikelpflege in Wikipedia sehr genau genommen.
          Das Online-Lexikon ist für alle da: Schweizer Beamte haben es mit der Artikelpflege in Wikipedia sehr genau genommen. : Bild: AFP

          Oft handelt es sich bei den Bearbeitungen aus den Amtsstuben indes um heikle Themen wie die Armee und die Nachrichtendienste. Oder um die Entwicklungshilfe. Beschönigt wurde den Recherchen der „Nordwestschweiz“ zufolge die Darstellung der Zustände im Amt für das Flüchtlingswesen. Immer nach dem gleichen Schema: Wichtige - und keineswegs falsche - Informationen werden durch Phrasen ersetzt - Schönfärberei im Sinne der Behörden.

          Die Frage, ob diese im Auftrag erfolge, wollten die Verantwortlichen nicht beantworten. Wikipedia verweist auf die 220 Administratoren, die ihrerseits die Vorgänge verfolgen. Regelmäßig werden Manipulationen rückgängig gemacht. Die Entwicklungsgeschichte der Einträge ist einsehbar. Wikipedia fordert zu „kritischem Lesen“ auf. Und ärgert sich über die einer Demokratie unwürdigen Eingriffe aus der Bundesverwaltung. Mehrfach sind deren Computer wochenlang von der Bearbeitung von Wikipedia-Artikeln ausgesperrt worden.

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