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Regierungskrise in Schweden : Wer jetzt kein Haus hat

  • -Aktualisiert am

Nichts mehr frei: Blick auf die Stockholmer Innenstadt Bild: EPA

Die Wohnungsfrage ist die schärfste soziale Frage im Europa unserer Zeit. In Schweden hat sie nun ihren vorläufigen Höhepunkt erfahren.

          3 Min.

          „Gott gieße doch etwas Milde über das steinerne Wohnungsamt“; so ironisierte Joachim Ringelnatz im Jahr 1923 in seinem „Angstgebet der Wohnungsnot“. Für Zynismus dieser Art, gibt es heute wieder genügend Anlass. Der sich in ganz Europa zu einer veritablen sozialen Frage entwickelnde Wohnungsmangel spielt schon seit Jahren eine tragende Rolle in den Parteiprogrammen europäischer Regierungen. In Schweden hat just die Wohnungspolitik gestern substanzielle Konsequenzen gehabt; denn die Brisanz dieser Frage führte zur Abwahl der Regierung von Premierminister Stefan Löfven. Der Hintergrund ist eine von der Regierung in Auftrag gegebene Untersuchung bezüglich der Mietpreisfestsetzung von Neubauten und dem Plädoyer für die Aufhebung einer solchen, welches die Oppositionsparteien zu dem Misstrauensvotum veranlasste.

          Sechzehn Jahre warten

          Denn obgleich die Mietpreise im Land bis dato aufgrund der staatlichen Mietpreisfestsetzung relativ stabil geblieben sind, fehlen auch im Königreich Wohnungen für diejenigen, die sich das Eigenheim nicht leisten können oder wollen. Zahlenmäßig spiegelt sich das Problem in der Anzahl der Jahre wider, welche man in Schweden auf die Vergabe einer Wohnung durch die kommunalen Wohnungsämter wartet. So lag die Wartezeit für eine Wohnung im zentralen Stockholm im Jahr 2020 bei circa 16 Jahren, in Göteborg bei circa 10 Jahren. Dass von 4,8 Millionen Haushalten in Schweden lediglich 1,2 Millionen zur Miete wohnen, ist nicht unbedingt ein Zeichen für den Reichtum des Landes, sondern dafür, dass es schlicht an Alternativen zum Kauf und einer damit einhergehenden hohen Privatverschuldung mangelt. So sind es vor allem Immobilienkredite, die Schweden auf den höchsten Plätzen des europäischen Brutto-Schulden-Einkommensquotienten der privaten Haushalte rangieren lässt.

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