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Schulze Föckings Fernseher : Mediale Inkompetenz

Im Regen, unterm Schirm: Christina Schulze Föcking, Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen Bild: dpa

Die nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerin ist doch kein Opfer eines Hacker-Angriffs auf ihr Fernseh-Gerät, sondern familieninterner Fehlbedienung. Mediale Inkompetenz zeigt sich allerdings anderswo.

          Mit den neumodischen Fernsehern ist das so eine Sache: Smart, wie sie sind, dienen sie nicht mehr allein dem Empfang von Sendungen, sondern sind mit allerlei Mediatheken, Streaming-Diensten, kurz: mit dem Internet als solchem verbunden, um auf dem in der Regel größten Bildschirm im Haushalt abzuspielen, was zu sehen sein soll. Ihre Bedienung ist mitunter komplex, ihr Datenschutz mitunter dürftig.

          Groß war der Schreck im Hause von Christina Schulze Föcking, ihres Zeichens Landwirtschaftsministerin in Nordrhein-Westfalen, als das Programm Mitte März durch eine Einspielung aus dem Landtag unterbrochen wurde. Diese zeigte Szenen einer Fragestunde zu Vorwürfen gegen den Schweinemastbetrieb der Familie. Kaum nämlich hatte die CDU-Politikerin im vergangenen Sommer das Amt von ihrem grünen Vorgänger übernommen, hatte „Stern TV“ heimlich aufgenommene Szenen mit verdreckten Ställen und verletzten Tieren vom konventionell geführten Hof gezeigt und damit eine bis heute anhaltende Diskussion über mögliche Interessenkonflikte der Ministerin entfacht sowie über ihre Entscheidung, ausgerechnet die „Stabsstelle Umweltkriminalität“ aus dem Organigramm ihrer Behörde zu streichen. In den sozialen Netzwerken gingen die Anfeindungen nach Auskunft der Politikerin „bis hin zur Aufforderung, man möge meinem Leben ein Ende setzen“.

          Im überraschenden Bildwechsel auf ihrem heimischen Fernseher sahen die Landtagsfraktionen von CDU, SPD, FDP und Grünen einen „Akt psychologischer Gewalt“: „Kollegin Schulze Föcking und ihre Familie sind Opfer einer massiven Verletzung ihrer Privatsphäre geworden.“ Regierungssprecher Christian Wiermer sprach am Tag nach dem Vorfall von „mindestens teilweise“ erfolgreichen Versuchen von „bisher unbekannter Seite“, auf die persönlichen Daten der Ministerin Zugriff zu nehmen. Ein vom WDR-Fernsehen hinzugezogener IT-Sicherheitsexperte bestätigte grundsätzlich die Möglichkeit, einen Fernseher zu hacken, das sei „keine absolut wahnsinnige Tat“.

          Jetzt hat die Ministerin eingeräumt, „dass die Videoübertragung unbemerkt und unbeabsichtigt durch ein für das Heimnetz berechtigtes Gerät in einer anliegenden Wohnung der Familie ausgelöst wurde“, das Problem also hausgemacht war. Sie sei „erleichtert, dass damit ein Ausspähen privater und sensibler Daten als unwahrscheinlich angesehen wird“. Bereits am 18. April hatte die Staatsanwaltschaft Köln der Ministerin dieses „vorläufige Ergebnis“ der Ermittlungen mitgeteilt. Eine gute Woche später hat der Landtag auf Antrag der Grünen in einer Aktuellen Stunde über die Frage debattiert, ob „Ministerin Schulze Föcking den Landtag getäuscht“ habe. Die Angegriffene verteidigte sich wortreich, die neuen Erkenntnisse zum Vorfall mit ihrem Fernseher indes verschwieg sie.

          Mit den neumodischen Fernsehern ist das so eine Sache: Sie haben nicht nur ihre Risiken, sondern auch ihre Tücken. Eine andere Sache ist der Umgang mit Fehleinschätzungen und Fehlalarm. In diesem Fall: ein Zeichen mangelnder Medienkompetenz.

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