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Amerikas Liberale : Wir sind beschämt

  • -Aktualisiert am

Den haben wir jetzt am Hals! Louis Begley über Donald Trump Bild: AP

In der Geschichte Amerikas hatten wir nie einen im Geist und Charakter so beschränkten Präsidenten, der von Philosophie, Kunst und Wissenschaft nichts versteht und dem es an Empathie völlig fehlt. Ein Gastbeitrag.

          Zwei Wochen sind vergangen, seit Donald J. Trump in sein Amt als 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika eingeführt wurde. Er gewann die Wahl auf eine nur in Amerika mögliche Weise, indem er 306 Stimmen des Electoral College, des Wahlmännerkollegiums, auf sich vereinen konnte, während für Hillary Clinton nur 232 Wahlmänner stimmten. Da er die Mehrheit im Electoral College erreichte, spielte es keine Rolle mehr, dass er etwa 2,9 Millionen weniger Wählerstimmen hatte als Hillary Clinton. Die amerikanische Verfassung schreibt ein Electoral College vor, um die indirekte Wahl des Präsidenten und des Vizepräsidenten sicherzustellen.

          Jeder Einzelstaat darf so viele Wahlmänner in das College entsenden, wie er Vertreter in beiden Häusern des Kongresses zusammen hat, das heißt, zwei Senatoren (unabhängig von der Bevölkerungszahl des Staates) und dazu eine Gruppe, die der Zahl seiner Vertreter im Repräsentantenhaus entspricht (je abhängig von der Bevölkerungszahl). 270 Stimmen im Electoral College sind für den Sieg nötig. Folgende Staaten, die Präsident Obama 2012 gewonnen hatte, verlor Clinton, manchmal nur ganz knapp, an Trump: Florida (29 Stimmen), Iowa (6), Michigan (16), Ohio (18), Pennsylvania (20) und Wisconsin (10), in manchen Fällen ging es nur um ein Prozent. Sie hätte Florida, Michigan, Pennsylvania und Wisconsin und damit die Wahl gewinnen können.

          Trumps Sieg war nicht großartig

          Trumps Sieg war nicht großartig, auch wenn er in bombastischen Reden das Gegenteil behauptete. In allen vorangegangenen Präsidentschaftswahlen gewann der Sieger mit einem größeren Vorsprung als Trump. Trumps Ergebnis ist sogar das drittschlechteste seit 1824, als kein Kandidat die Stimmenmehrheit im Electoral College hatte und John Quincy Adams vom Repräsentantenhaus zum Präsidenten gewählt wurde. Nur zwei amerikanische Präsidenten haben noch mehr Stimmen an ihren Gegenkandidaten verloren und es dann doch mit knapper Mühe ins Weiße Haus geschafft, John Quincy Adams 1824 und Rutherford Hayes 1876, beide zu glanzlosen Amtszeiten.

          Trumps Sieg war zusätzlich eingetrübt durch außergewöhnliche Faktoren: erstens den Auftritt des FBI-Chefs James B. Comey, der während einer Pressekonferenz im Juli 2016 angekündigt hatte, er werde Clinton nicht wegen ihres Umgangs mit ihren E-Mails verklagen, auch wenn ihr Verhalten extrem fahrlässig gewesen sei; der dann aber elf Tage vor der Wahl in einem Brief an den Kongress behauptete, neue Beweismittel seien gefunden, die zu einer Wiederaufnahme des Verfahrens führen könnten. Zweitens und ebenso außergewöhnlich waren die nach Einschätzung der amerikanischen Geheimdienste von Wladimir Putin angeordneten Cyberattacken, die sich gezielt gegen Clintons Kandidatur richteten und ihre Präsidentschaft verhindern sollten. Dass diese Faktoren der Grund für Clintons Wahlniederlage waren, lässt sich nicht beweisen, aber unter den Demokraten herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass sie mindestens stark dazu beitrugen.

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