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Schmidt & Pocher : Mit den Zweien sieht man das Elend

Betretene Miene zu Pochers Scherzen Bild: dpa

Harald Schmidt sollte Roman Herzog lesen, sich einen Ruck geben und seine Show retten. Sonst stellt den Präzeptor der Late Night Show im Ersten bald Niels Ruf auf Sat.1 noch wirklich in den Schatten.

          Die vergangene Fernsehwoche hat zweierlei Dinge gezeigt, die man erschütternd nennen könnte, wollte man es für wichtig nehmen: Sat.1 hat inzwischen die beste Late Night Show im deutschen Fernsehen, und das, obwohl Niels Ruf sie macht. Und: Harald Schmidt ist am Ende. Sollte er noch irgend einen Anspruch an sich selbst stellen, müsste er jetzt vors Publikum treten und sagen: Hier stehe ich und kann nicht anders als zu sagen, dass ich mich gerirrt habe.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Geirrt hat sich Schmidt vor allem in seinem Möchtegern-Nachfolger Oliver Pocher, der nicht nur eine unheimliche Vorliebe fürs Herbe hat, sondern gar nicht anders kann, als Zoten zu reißen und eine Unterleibsgroteske an die nächste zu reihen. Kein Esprit, nirgends. Kein Feingefühl für die Pointe und – mehr noch – keines für den Umgang mit anderen, mit Gästen zumal. Während es jemand wie Hape Kerkeling meisterhaft versteht, Unbekannte in eine kurios-missliche Lage zu bringen, sich dabei aber niemals über sie lustig macht, sondern über sich selbst respektive seine Figuren, da gibt Pocher seinem Gegenüber eins auf die Zwölf, dass es nur so scheppert.

          Der gelangweilte Onkel

          Oder aber er kapituliert vor jemandem wie der in der vergangenen Woche geladenen „Lady Bitch Ray“, die munter aus der Gosse bramabarsieren durfte, bis Harald Schmidt endlich auf die Idee kam, den sittlichen Sinn und Zweck des Ganzen aufscheinen zu lassen. Pocher aber blieb stumm, hinterließ, wie sonst auch, verbrannte Erde, aber keine Lacher. Und wenn, dann nur solche, die einem im Halse stecken bleiben. Harald Schmidt sollte sich eingestehen, dass es so nicht mehr weitergeht, nicht mit Pocher und nicht mit dem unwitzigen Humor-Internisten Dr. med. Eckart von Hirschhausen – es sei denn Schmidt erfüllt seinen Vertrag mit der ARD mit einem noch größeren Zynismus, als er ihn sich als Moderator auferlegt, und gefällt sich darin, in seiner Show nurmehr als gelangweilter Onkel aufzutreten und nicht mehr als „Spiritus Rector“.

          Wer hätte gedacht, dass einem eines Tages Niels Ruf als Hoffnungsträger erschiene? Mit der Verschiebung seines Formats vom Sat.1-Comedy-Kanal ins Hauptprogramm des Senders hält sein persönliches Format als Gastgeber zwar noch nicht ganz Schritt, doch sollten die Autoren seiner Gags daran noch etwas ändern können und ihm beibringen, dass man wider die political correctness mit dem Vorschlaghammer nicht eben am besten ankommt. Doch wenigstens denunziert er seine Gäste nicht, auch wenn sein Zwiegespräch mit dem Bodybuilder-Mimen Ralf Möller über gutgemeinte Ratschläge für die Jugend – weniger Fast Food, keine Süßgetränke, dafür Sport (es fehlte der Hinweis auf Drogen) – am vergangenen Freitag nicht hinauskam und man sich ein ernsthafteres Gespräch mit der Schauspielerin Yangzom Brauen, die sich für Tibet einsetzt, schon gewünscht hätte. „Mit den Zweien sieht man besser“ lautet der Werbespruch von „Schmidt & Pocher“. Von wegen.

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