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Jugendliteratur : Krankheit und Tod als Lieblingsthema

Denn am Ende ist es deren Sicht, die den Reiz vieler dieser Bücher ausmacht, gerade wenn sie mit den Erkrankten über eine starke Perspektive verfügen. Manchmal scheint auf, wie sehr die Sterbenden unter der Fürsorge ihrer Umgebung leiden, unter deren Sorge, deren Angst vor dem Unvermeidlichen, deren verzweifeltem Wunsch nach noch ein paar Tagen mehr, auch wenn dies von den Kranken mit schmerzhaften Nebenwirkungen der jeweiligen Therapien erkauft werden muss.

„Krebsbücher sind doof“

Die Jugendlichen, die von ihrem Leid erzählen, berichten darum gerade nicht von ihren Leiden - die „Sick Lit“ ist erstaunlich arm an Schilderungen der alltäglichen Schmerzen, wahrscheinlich weil es die Kranken gelernt haben, diesen Teil ihres Lebens nicht mit den Angehörigen zu teilen. Umgekehrt schildert etwa Evan Kuhlman in seinem Kinderbuch „Der letzte unsichtbare Junge“, wie sich der Schmerz um den plötzlichen Tod seines Vaters auf den Erzähler auswirkt - seine Haare werden weiß, seine Haut verliert jede Farbe, und spätestens als er davon berichtet, wie dieser Prozess ihn geradezu unsichtbar gemacht hat, möchte man seine Mutter aus ihrer eigenen Trauer wachrütteln, damit sie sich endlich dem Jungen zuwendet, der sie so dringend braucht wie nie zuvor.

„Krebsbücher sind doof“, sagt die tapfere Hazel einmal in John Greens Roman, und natürlich soll das heißen, dass das Buch, das von ihr erzählt, eben kein typisches Werk dieses Genres ist. Doch genau diese demonstrative Abkehr von der vermeintlich klassischen Behandlung des Themas, die Suche nach der Dimension der Krankheit jenseits von Schmerz und Tod, ist längst prägend für die Krebsbücher von heute geworden. Hazel jedenfalls, die es ihrer Umgebung mit ihrem sezierenden Blick auf die Welt und ihrer Neigung zu klaren Worten nicht leichtmacht, steht darin für viele ähnliche Protagonisten. Dass „fast alles eine Nebenwirkung des Sterbens“ sei, betont sie gleich auf der ersten Seite des Romans, auch auf ihre Krankheit treffe das zu. Wie Krebs als „Nebenwirkung des Sterbens“ fungieren soll, bleibt ihr Geheimnis, aber das Signal des versierten Autors, dass man seiner Erzählerin durchaus misstrauen darf, kommt an. Dass er damit den Boden für eine betont ungewöhnliche Liebesgeschichte bereitet, zeigt sich rasch.

Als in Sally Nicholls’ Roman Sams Vater erfährt, dass sich sein Sohn Notizen zu seiner Krankheit macht, fragt er ihn, was das denn werden solle: hoffentlich doch „kein tränenreiches Buch mit lauter Gedichten und Bildern von Regenbögen“? Die Angst des Vaters, der Sams Zustand beharrlich leugnet und lieber das Zimmer verlässt, als darüber zu reden, ist verständlich. Und erweist sich bei der Lektüre als unbegründet. Wahrscheinlich ist das der Grund, warum einem bei diesem Roman Rotz und Wasser nicht allzu fern sind. Sams letzte Liste jedenfalls, die über die genauen Umstände seines Sterbens, beschließt auch das Buch. Angekreuzt ist das Wort „friedlich“.

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