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Computerspiele gegen Schmerzen : Keine Angst, Kleines, greif einfach nach den Klunkern

Auch die von ihnen eingesetzten Spiele sind ebenso einfach wie wirkungsvoll: Bei „Temple of Magupta“ bewegt der Spieler seine Figur durch alte Ruinen, muss Hindernissen ausweichen, Hürden überwinden und Gegenstände einsammeln. Bei „Face of Chronos“ klettert die Spielfigur eine Felswand hinauf, muss sich nach dem nächsten Vorsprung zum Festhalten recken und ebenfalls versteckte Gegenstände einsammeln. Der Spieler steuert seine Figur mit den eigenen Bewegungen, die über einen Tiefensensor und eine Kamera erfasst und auf den Bildschirm übertragen werden. Während die genaue Bewegungsmessung komplexe Systeme und teure Datenanzüge erfordert, setzen die Wiener Forscher auch die handelsübliche Erweiterung Kinect für die Microsoft-Konsole Xbox ein. So kann das System nicht nur in Kliniken und Reha-Zentren eingesetzt werden, sondern auch zuhause.

Keine Worte für den Schmerz

Ziel ist es, die Beweglichkeit der Patienten und die Schnelligkeit ihrer Bewegungen zu erhöhen, sie zu kräftigen und die Schmerzgrenze bei bestimmten Bewegungen zu verschieben. Nicht mehr die Anstrengung einer Bewegung oder die Schmerzerwartung stehen im Fokus der Aufmerksamkeit des spielenden Patienten, sondern das zu erreichende Ziel - er wird gleichzeitig abgelenkt und motiviert. Dabei lassen sich die Spiele auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten einstellen. Die Anforderungen werden sowohl auf die betroffenen Körperbereiche als auch auf die Einschränkungen des Spielers abgestimmt und mit seinen Fortschritten abgeglichen. Die Lage und Größe der zu überwindenden Hindernisse, der Abstand von einem Halt zum anderen beim Erklimmen der Felswand wachsen mit der bereits erreichten Beweglichkeit des Patienten. Welche Bewegungen gelingen dem Patienten rasch und problemlos? Welche nur verlangsamt, und an welchen Aufgaben scheitert er? Das System zeichnet die Bewegungsdaten zur medizinischen Diagnose auf. Nach vier Wochen war der Schmerzgrad bei den sechs Probanden auf einer Skala bis hundert von durchschnittlich 62 auf durchschnittlich 52 zurückgegangen.

Große Bedeutung kommt dem Spiel als Diagnoseinstrument vor allem dann zu, wenn der Patient sein Schmerzempfinden nicht selbst in Worte fassen kann. Gerade Kindern fällt das oft schwer. In der Abteilung für Schmerzmedizin am Children‘s National Medical Center in Washington werden Spiele eingesetzt, um die chronischen Schmerzen von Kindern und Jugendlichen zu erkennen - immerhin 25 bis 46 Prozent aller Kinder unter achtzehn Jahren zählt das Institut dazu: Sie litten unter chronischen Schmerzen oder unter solchen, die länger als drei Monate täglich aufträten.

Statt sich der Diagnose mit Versuch und Irrtum zu nähern, erläutert die leitende Ärztin Julia Finkel, könne die Art des Schmerzes objektiv erfasst werden: Während das Kind zum Beispiel bei dem Spiel „Tube Runner“ die ihm auf einem Großbildschirm entgegenkommenden Ringe oder Edelsteine durch Handbewegungen zu erreichen versucht, werden auch hier die Bewegungsmuster aufgezeichnet und ausgewertet. Auf dem gleichen Bildschirm kann sich das Kind selbst über Ursache, Arten und Auswirkungen chronischer Schmerzen informieren. Auch seltene Krankheitsbilder werden behandelt: Wenn Wunden oder Brüche längst verheilt sind, der Schmerz aber bleibt, kann der kindliche Kopf hier lernen, dass dem Körper im Grunde nichts mehr wehtut.

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