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Idealstadt in Saudi-Arabien : Das Ende der Stadt, wie wir sie kennen

Der Strich in der Landschaft von Saudi Arabien soll eine Stadt sein. Bild: Screenshot Neom

Saudi-Arabien beginnt jetzt mit dem Bau der 170 Kilometer langen Idealstadt „The Line“. Auch westliche Architekten träumen von Weltzentralsteuerungen und bizarren Milliardenmetropolen.

          7 Min.

          Die Architekten der klassischen Moderne waren fasziniert von der Idee des endlosen Bandes. Der russische Konstruktivist Moisei Ginzburg plante in der jungen Sowjetunion eine Idealstadt, deren Häuser sich wie an einer Schnur auffädeln sollten, Le Corbusier entwarf zeitgleich ein scheinbar endloses Gebäude für Algier mit Wohnungen für 180 000 Menschen; das Dach, schlug der Architekt vor, könne man praktischerweise als Autobahn nutzen. Später plante er Indiens Idealstadt Chandigarh, die wie die lateinamerikanische Reißbretthauptstadt Brasília 1960 vollendet wurde.

          Niklas Maak
          Redakteur im Feuilleton.

          Ein halbes Jahrhundert später hatte sich die internationale Architektenschaft darauf geeinigt, dass derartige Mega-Entwürfe und Weltumbaupläne ein Ding der Vergangenheit seien. In der Postmoderne dominiert Ideen wie die der „Stadtreparatur“, des behutsamen Weiterbauens, zuletzt der „Sorge um den Bestand“ den Diskurs, und die Klimakrise hat das Misstrauen westlicher Industrienationen gegenüber großmaßstäblichen Reißbrettvisionen noch verschärft; immer wieder war zuletzt zu lesen, dass die Bauindustrie, vor allem die energieintensive Betonherstellung, einer der maßgeblichen Treibhausgas-Emittenten sei. Es müsse viel mehr umgenutzt als neu gebaut werden, so eine Forderung; wenn man überhaupt baue, dann bitte grün; das Haus der Zukunft, wie es westliche Planer und Politiker wünschen, nähert sich optisch immer mehr dem Baum an, unten ein Holzstamm, oben eine grüne Krone; Hochhäuser verkleiden sich als „vertikale Wälder“.

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