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Der Fall Saskia Esken : Was diese Frau so alles betreibt

Eine Projektionsfigur: Saskia Esken Bild: Jürgen Fromme/firosportphoto

Wenn sie nicht im Fernsehen redet, versteckt sie sich. Wenn sie redet, verstellt sie sich. Saskia Esken dient ihren Gegnern im Wahlkampf als Unperson, die für jede Projektion gut ist.

          5 Min.

          Die Wahlkampfendspurt-Rhetorik bringt eine Kunstwelt falscher Erwartungen hervor. Wehe, sie werden enttäuscht! Dann liefern sie den Stoff für gespielte Empörung. Der Fall Saskia Esken ist ein Beispiel dafür. Die Ko-Vorsitzende der SPD wird als der personifizierte Linksrutsch angegriffen, als die Drahtzieherin des drohenden nationalen Übels: des Pakts mit den Chaoten der Linkspartei. Bedient sie dieses Horror-Szenario jedoch nicht, zeigt sie Schulterschluss mit Scholz und gibt sie zu Protokoll, die Linkspartei sei in ihrer jetzigen personalen Aufstellung nicht regierungsfähig, es müsse deshalb abgewartet werden, mit welchem Personal dieser Partei man es nach der Wahl zu tun habe – dann heißt es, sie tarne sich. So steigert man sich in das Spiel vom Versteckspiel hinein.

          Christian Geyer-Hindemith
          Redakteur im Feuilleton.

          Das lief in den letzten Wochen so: Redet Esken ein paar Tage lang nicht, so wird vermeldet, sie werde von ihrer Partei versteckt (ein Reflex, der sich nicht einstellt, wenn Heiko Maas, Svenja Schulze oder andere SPD-Prominente im Hintergrund bleiben). Redet Esken aber doch, wie sie es kontinuierlich tut, heißt es, sie rede falsch und werde nach der Wahl die linke Katze aus dem Sack lassen, derweil Scholz nichts mehr zu sagen haben werde. Hier hat sich eine Geschichte verselbständigt, die sich auch noch durch ihr Dementi bestätigen lässt. Entsprechend wird Frau Esken vom politischen Gegner wie eine Unperson behandelt. Als sie am Sonntag bei Anne Will erschien, meinte Volker Bouffier sie unbeirrbar mit falschem Namen anreden zu dürfen. Der dienstälteste CDU-Ministerpräsident sprach sie mehrfach als „Frau Eskens“ an. Derweil sie ohne Resonanz richtigstellte: „Esken, ohne Endungs-s“. Solche Respektlosigkeit hat gegenüber Frau Esken System.

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