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Was ist deutsch? : Dibbelabbes und andere heimliche Gewinner

Bild: Frank Röth

Was wir dem Mittelstand zu verdanken haben, was ihr zum Deutschlandlied einfällt und für welches schwäbische Gericht sie schwärmt: Fünf Fragen an die Autorin und Politikerin Sahra Wagenknecht

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          Gibt es das, Momente, in denen Sie sich besonders deutsch gefühlt haben?

          Sandra Kegel
          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton.

          Ja, klar, die gab es. Als ich zum Beispiel von 2004 bis 2009 als Mandatsträgerin im Europäischen Parlament saß, da wurde mir das gelegentlich sehr bewusst. Wie groß dann eben die Unterschiede sind und auch wir auf bestimmte Eigenschaften geeicht sind. Zum Beispiel kam es vor, dass wir einen Termin hatten und pünktlich zu diesem Termin erschienen sind, und das war bei meinen Kollegen aus anderen Ländern nicht unbedingt so. Auch bei Auslandsreisen kamen bisweilen unsere Gesprächspartner ganz selbstverständlich eine Stunde später, während wir in der deutschen Delegation immer schon auf die Uhr guckten. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, dass mir das eine sympathischer wäre als das andere. Ich mag beides, aber da zeigte sich für mich eben, dass wir unterschiedlich geprägt sind.

          Welches deutsche Essen verachten, welches lieben Sie?

          Es gibt da ein saarländisches Gericht, das heißt Dibbelabbes. Das setzt sich zusammen aus den saarländischen Worten für Topf und für Lappen oder auch Laib. Und das schmeckt total lecker. Ansonsten muss ich zugeben, dass ich gerade in der Kochkunst andere Kulturen als große Bereicherung empfinde. Auch zu Hause kochen wir eher international.

          Gibt es ein Wort in der Nationalhymne, das Ihnen etwas bedeutet?

          Ich gehöre nicht zu denjenigen, bei denen sich die Nackenhaare kräuseln würden vor Respekt. Aber ich finde, ein Land braucht eine Nationalhymne. Und ich halte es für ein Problem, dass wir in Deutschland eine Hymne haben, bei der man nur die eine Strophe singen kann, weil der Rest belastet ist. Einigkeit und Recht und Freiheit – wenn wir das denn mal alles so hätten, zum Beispiel wirkliche Einigkeit, das würde ich mir wünschen für Deutschland. Recht – das ist weitgehend gegeben, aber Freiheit? Seit Corona wird die in vielen Bereichen eingeschränkt, und ich frage mich aktuell schon, ob das alles noch gerechtfertigt und verhältnismäßig ist.

          Gibt es eine deutsche Erfindung, die Sie besonders schätzen?

          Die deutsche Ingenieurskunst, die über so viele Jahre Weltspitze war und sehr viele kluge Innovationen hervorgebracht hat. Auch die Automobiltechnologie bis hin zum Diesel- und Einspritzmotor, die heute so schlechtgeredet wird, war zunächst einmal ein deutlicher Fortschritt gegenüber anderen Antrieben und deutlich umweltfreundlicher. Auch die vielen „Hidden Champions“, die Deutschland zum Glück noch hat, wären da zu nennen. Die vielen kleinen und mittleren Unternehmen, die in ganz speziellen Bereichen Weltmarktführer sind. Ich finde, das wird heutzutage viel zu wenig wertgeschätzt und noch weniger politisch unterstützt. Dabei ist das ja das Fundament, auf dem unser Wohlstand hauptsächlich beruht und auch weiterhin beruhen sollte. Wenn das kaputtgeht, wird es in Deutschland nicht mehr gut aussehen.

          Und einen Witz? Kennen Sie einen guten Witz über Deutsche?

          Oh Gott, ich bin eine unendlich schlechte Witzemerkerin. Ich habe bestimmt schon viele schöne Witze über Deutsche gehört, aber gerade fällt mir keiner ein.

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