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Corona und die Kunst : Sänger klagen gegen Salzburg

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Sehr gelobt für seinen Mut zur Kunst in Zeiten der Pandemie: Das Team der Salzburger Festspiele 2020 mit Florian Wiegand, Konzertchef, Helga Rabl-Stadler, Festspielpräsidentin, Markus Hinterhäuser, Intendant, Bettina Hering, Schauspiel-Leiterin, Lukas Crepaz, kaufmännischer Direktor. Bild: dpa

Österreichs Verfassungsgerichtshof stärkt die Position freier Künstler im Streit um Ausfallhonorare während der Corona-Lockdowns. Nun will eine Initiative juristisch gegen die Salzburger Festspiele vorgehen.

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          Österreichs Kulturpolitik während der letzten zwei Jahre der Corona-Pandemie gerät juristisch unter Druck. Anfang August dieses Jahres kam der Verfassungsgerichtshof zur Erkenntnis, dass die Schließung der Theater und der Konzertsäle sowohl beim zweiten Lockdown Anfang November 2020 als auch beim dritten im Herbst 2021 dem Gleichheitsgrundsatz widersprochen habe, denn zur selben Zeit waren die Kirchen für religiöse Versammlungen sehr wohl geöffnet. Diesen Widerspruch, in Krisenzeiten der Religionsfreiheit den Vorzug gegenüber der Kunstfreiheit zu gewähren, nutzt nun eine Künstlerinitiative unter der Führung Wolfgang Ablinger-Sperrhackes zu einem Vorstoß. Bei einer Pressekonferenz in Wien kündigte der bayerische Kammersänger am Freitag an, nach französischem Vorbild fünfzig Prozent Entschädigung für die Verdienstausfälle freiberuflicher Künstler während der beiden Lockdowns von Österreichs Kunstminister und Vizekanzler Werner Kogler einzufordern.

          Anders verhält es sich bei den Salzburger Festspielen, gegen die der Anwalt Georg Streit namens der Initiative eine Klage vorbereitet. Denn obwohl kein Jahrgang des Festivals ausfiel, bezahlt dessen Führung vor allem Chorsängern für pandemiebedingte Annullierungen keine Gagen. Im Fall der Oper „Boris Godunow“, für dessen 2020 projektierte Aufführung die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor bereits geprobt hatte, sind solche Vorenthaltungen besonders eklatant. Wie lässt sich dies mit dem ausbeutungskritischen Geist von Luigi Nonos 2021 gezeigter „Intolleranza“ vereinen? Darauf werden der Intendant Markus Hinterhäuser und sein kaufmännischer Direktor Lukas Crepaz Antworten finden müssen. Dass die Initiative gleich deren Rücktritte fordert, erscheint allerdings übertrieben.

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