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Ost und West : Die „antideutsche“ AfD

Björn Höcke spricht bei einer Wahlkampfveranstaltung in Cottbus. Bild: Picture-Alliance

Könnte es sein, dass die Partei, die sich am nationalsten gibt, in Wahrheit eine Spaltung des Landes herbeisehnt? Und damit die Wiedervereinigung mit Füßen tritt?

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          Jetzt schlägt die Stunde, in der man wieder lauter Deutschland sagen muss. Das Wort aus dem bierseligen Abseits des Fußballabends herausholen und zur Erkennungsformel der anständigen Gesellschaft hochziehen. Denn die „Antideutschen“ sind auf dem Vormarsch. In Sachsen und Brandenburg hat eine Partei ihre vielen Wähler gewonnen, indem sie sie zu Verlierern erklärt hat. Zu Verlierern eines Spiels, das vor dreißig Jahren gespielt wurde und Wiedervereinigung hieß. Den Sieg hätten damals die anderen, die „von drüben“, davongetragen, der Osten sei geschlagen, auf die Knie gestoßen worden und müsse nun endlich wieder aufstehen.

          Simon Strauß

          Redakteur im Feuilleton.

          Dass diese Geschichte selbst von spätgeborenen Siegern geschrieben wird, spielt keine Rolle. Die Identitätskategorie Ost ist so variabel wie virtuell, jeder kann sie für sich beanspruchen, der sich im Meinungsabseits wähnt und „gegen die da oben“ austeilen will. Ost steht für ein kritisches Bewusstsein gegenüber Politik und Medien, West für den verblendeten Zusammenhang von Wirtschaftstreue und Doppelmoral. So hätten sie es gerne, die Damen und Herren von der antideutschen Alternative. Den Rang als Protestpartei haben sie den schockierten „Linken“ längst abgelaufen, Ost sind jetzt sie. Ost. Ost. Und noch mal Ost. Bis es jeder begriffen hat: Wir sind wieder ein geteiltes Land.

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