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Sprachstreit in Russland : Shitstorm in der patriotischen Kloake

  • -Aktualisiert am

Achtung, Invasoren: der Petersburger Professor Oleg Sokolow, kostümiert als Napoleonischer General, bei einer historischen Reenactment-Show. Bild: AP

Ein Professor an einer Moskauer Hochschule nennt das heutige Russisch eine „Kloakensprache“. Für Patrioten leidet er an akuter Russophobie.

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          Bei der Kreml-Sitzung des regierungsnahen „Rates für die russische Sprache“ vorigen Monat herrschte Alarmstimmung. Präsident Putin gab den Ton vor: Versprengte „Höhlen-Russophobe“ und ganze Staaten hätten dem russischen Wort den Krieg erklärt. Die Pflege und Verbreitung des Russischen im In- und Ausland sei eine Aufgabe von nationaler Dringlichkeit. Die Sprachexperten folgten bei Fuß. Selbst das anstehende Puschkin-Jubiläum verwandelte sich ihnen zur Waffe für die Generalmobilmachung gegen den drohenden Linguizid. Ihnen zufolge wahre allein die russische Literatur in einer Zeit religiöser Orientierungslosigkeit und Genderverwirrung die Tradition und liefere „absolut universale Formeln“ für die moralische Wahrheit.

          Putins Äußerungen zum Krieg gegen die russische Sprache fallen zusammen mit einem Skandal, der seit Wochen die russischen Medien und sozialen Netzwerke erschüttert. Ende Oktober postete Gasan Gusejnov, Philologe und Professor an der Moskauer Staatlichen Hochschule für Wirtschaft (HSE), auf Facebook die Frage, warum die Zeitungskioske der Hauptstadt trotz der vielen Ausländer kein Druckerzeugnis in einer anderen Sprache anböten als jenem „kläglichen Kloakenrussisch, das dieses Land heute spricht und schreibt“. Seither rollt durchs russische Internet eine Empörungswelle, die in Morddrohungen gegen Gusejnov gipfelt. Für die „patriotischen“ Medien ist klar: Mit seinem Seitenhieb gegen die „Höhlen-Russophoben“ verteidigt der Präsident die Nation gegen Nestbeschmutzer wie Gusejnov.

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