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Russlands Medien : Nachrichten vom Informationskrieg

Kein Grund für „Verschwörungstheorien“

Auch die Zeitung „Nowaja Gaseta“ ist schon verwarnt worden. Verwerfungen gab es selbst bei der Zeitung „Kommersant“. Sie hat eine Auflage von mehr als 104 000 Exemplaren und galt einst als Flaggschiff des russischen Journalismus, hat von diesem Ruf indes viel verloren, seit sie vor acht Jahren an einen kremlfreundlichen Magnaten fiel. Der Chefredakteur der Zeitung trat vor kurzem zurück, vermutet wurde ein Zusammenhang mit einem Artikel über Rosneft.

TV Doschd berichtete, Setschin habe gedroht, den „Kommersant“ wegen des Artikels zu verklagen, daraufhin sei der Chefredakteur geopfert worden. Dieser legte in einer Stellungnahme private Gründe nahe und sagte, es gebe keinen Grund für „Verschwörungstheorien“.

Überlebenstraining als Show

Zugleich weitet der Kreml das Auslandsengagement aus. Das Budget des Auslandssenders RT wird deutlich erhöht. Auch wurde im vergangenen Jahr die staatliche Agentur Rossija Sjewodnja  gebildet. Sie solle „bedeutend internationaler“ sein als ihre Vorgängerin Ria Nowosti, wie Margarita Simonjan erläuterte, die Chefredakteurin sowohl von RT als auch von Rossija Sjewodnja ist. An der Spitze der Holding steht Dmitrij Kisseljow, ein mit Hasstiraden auf Homosexuelle und den angeblich dekadenten Westen aufgestiegener Fernsehmoderator. Kisseljow sagte kürzlich bei der Vorstellung einer Multimediaagentur namens „Sputnik“, die eine prorussische „Alternative“ zu westlichen Medien bieten und von 2015 an Inhalte in dreißig Sprachen bieten soll, es gebe „Länder, die ihren Willen dem Westen und Osten aufnötigen“ und „Blutvergießen, Bürgerkrieg und Farbenrevolution“ auslösten. Solche Umstürze nach dem Muster Georgiens und der Ukraine bleiben die Schreckensvorstellung der russischen Mächtigen. Allen Umfragerekorden Putins zum Trotz.

Der „Kommersant“ berichtete am Mittwoch über Pläne der Kremlsender für das russische Publikum: „militärisch-patriotische Projekte für die Jugend“. Schon Ende dieses Jahres soll der Sender Rossija 2 demnach ein „Spiel ums Überleben“ mit Berufssoldaten ausstrahlen, eine Art Überlebenstraining. Der Perwij Kanal soll im kommenden Jahr die Show „Weg in die Armee“ ins Programm nehmen. Eine „Quelle in der Präsidialverwaltung“ sagte der Zeitung, „positive, aber nicht grobe Propaganda des Militärdienstes“ sei immer angebracht.

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