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Ost-West-Konfrontation : Droht die Rückkehr der dunklen Dreißiger Jahre?

Wohin des Weges? Russlands Präsident Wladimir Putin und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel. Bild: AFP

Wohin treibt es Russland und den Westen? Konsens wurde nicht erzielt auf der Petersburger Schriftstellerkonferenz „Russland und Europa“. Aber dass Russland Teil des Kontinents ist, zeigt vor allem eines.

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          Sankt Petersburg. Wie sich sein Heimatland zurück entwickle, das erfahre er im Verhältnis zu seinem Vater. So der Moskauer Schriftsteller Sergej Lebedew am Rande der Konferenz „Russland und Europa“, die die S. Fischer-Stiftung gemeinsam mit der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung sowie der Allianz Kulturstiftung soeben in Sankt Petersburg ausrichtete. In den wilden neunziger Jahren habe er ihm, dem gestandenen Geologen, dessen Welt zusammengebrochen war, als Heranwachsender das neue Leben erklärt, erinnert sich Lebedew. Heute sei es umgekehrt. Der Vater, keineswegs ein Regimebefürworter, ganz im Gegenteil, fühle sich gleichwohl im aktuellen repressiven Klima wieder „zu Hause“ und erteile ihm Ratschläge.

          Kerstin Holm

          Redakteurin im Feuilleton.

          Lebedew schildert den etwa fünfzig Kollegen, die aus diversen Ländern Europas, vor allem aus seinem Osten, angereist sind, die Lage mit der ihm eigenen Kombination aus Subtilität und Härte. Im Unterschied zur späten Sowjetunion mit ihrem „weichen“, aber vorhersehbaren Unterdrückungsapparat hänge der russische Bürger heute völlig in der Luft, ohne Sicherheitsgarantien gegen irgendetwas, so Lebedew. Die fatalistische Haltung der Leute staatlichen Gewaltakten gegenüber sei mit der Stimmung in den dreißiger Jahren vergleichbar. Und wie damals empfehle der Staat seinen Bürgern eine „Sprache der Loyalität“, womit diese sich eine Illusion von Schutz verschaffen könnten.

          Die Soziologin vom Levada-Umfrageinstitut, Jewgenia Ljosina, sekundiert: Das Putin-Regime führe seit fünfzehn Jahren Krieg gegen die Zivilgesellschaft. Gesetze wie die gegen Nationalverräter, Bürgerinitiativen, Demonstrationen hätten die bewusste Eigenverantwortlichkeit der Menschen und die Inklusivität der Gesellschaft konsequent zerstört. Und die Leute machten mit. Ljosina rechnet vor, dass die Zustimmung zu Präsident Putin stabil bei achtzig Prozent liege, und das, obwohl die Mehrheit sich über den Zynismus der Beamtenschaft keine Illusionen mache. Putin sei es gelungen, Russlands kollektive Identität zu usurpieren.

          Die Ausnahme: Deutschland

          Was Europa dem entgegenhält, charakterisiert die Berliner Juristin Anna-Bettina Kaiser als Rechts- und Vertragsarchitektur. Deren Funktionsfähigkeit hänge freilich, wie Kaiser hervorhebt, von außerjuristischen Voraussetzungen ab. Der litauische Autor Marius Ivaskevicius charakterisiert die europäischen Länder als Demokratien, die er gegen Russlands aggressiven Autoritarismus abgrenzt. Mehrere russische Debattenteilnehmer geben da freilich zu bedenken, dass faschistische Regime in Spanien, Portugal oder im früheren Jugoslawien noch nie jemanden auf die Idee kommen ließen, diese Länder gehörten nicht mehr zu Europa. Und die amerikanische Historikerin Marci Shore erinnert daran, dass Europa im vorigen Jahrhundert ein „Blutbad“ veranstaltet habe, dessen Lehren von der ganzen Menschheit beherzigt werden müssten.

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