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Belarus : Ein Land vor der Selbstauflösung?

  • -Aktualisiert am

Menschenkette am 29. Dezember 2019 gegen die Vertiefung der belorussischen-russischen Beziehungen Bild: EPA

In der Republik Belarus drehen sich derzeit alle Gespräche um die vertiefte Integration mit Russland. Die Befürchtungen sind vielfältig und betreffen fast alle, schreibt der Stadtforscher Andrey Vozyanov in seinem Gastbeitrag.

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          In der Republik Belarus fürchten heute viele, dass ihr Land bald von der Karte Europas verschwinden könnte. In der Hauptstadt Minsk ist die Stimmung in diesen Tagen beherrscht von Angst, Verlustgefühlen und Orientierungslosigkeit. Das schlägt sich in Gesprächen, Nachrichten und Posts in sozialen Netzwerken gleichermaßen nieder.

          Schon 1999 wurde ein Vertrag über die Schaffung eines Unionsstaats zwischen der Russischen Föderation und Belarus ratifiziert. Seitdem befindet sich die Souveränität des kleineren Vertragspartners in der Schwebe, denn der Vertrag sieht eine weitreichende Integration beider Länder in der Zukunft vor. Ein gemeinsamer wirtschaftlicher, fiskaler und politischer Raum ist zwar bis heute Fiktion geblieben. Doch seit kurzem drängen Politiker in Russland auf eine stärkere Integration. Dabei zeigen Meinungsumfragen, dass die meisten Menschen in Belarus der gänzlichen Aufgabe der Eigenstaatlichkeit und selbst einer „vertieften Integration“ mit dem viel größeren Russland skeptisch gegenüberstehen. Viele fürchten, dass im Zauberwort Integration ein Fluch steckt: die Übernahme des Rubels, des russischen Rechtssystems, womöglich mit den Gesetzen über „Ausländische Agenten“ oder mit dem Verbot von „Schwulenpropaganda“, die es in Belorussland nicht gibt; womöglich mit den russischen Sanktionen gegen Lebensmittelimporte aus der EU, die es in Belarus auch nicht gibt, oder den lascheren russischen Umweltschutzbestimmungen.

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