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Russland macht mobil : Das große Völkerbegräbnis

  • -Aktualisiert am

Wenn schon sterben, dann mit Musik, lautet eine alte russische Soldatenredensart: Mobilisierte in einer Rekrutierungsstelle im südrussischen Bataisk Bild: Laif

Russland rekrutiert Zivilisten für den Ukrainekrieg. Die entlegenen und verarmten Regionen trifft es besonders hart. Die hochgerüsteten Ordnungshüter gehen brutal gegen Unwillige vor, doch dann werden die Soldaten oft unterversorgt an die Front geschickt. Ein Gastbeitrag.

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          Auf einem Friedhof in der Nähe von Moskau, so berichtet meine Tochter Asja, die in Russland lebt, trugen Leute in Militäruniform jemanden zu Grabe. Sie nahmen Haltung an und schossen auf Kommando in die Luft. Nicht weit davon weinte ein Mann über dem Grab eines Kindes. Ihm gegenüber flüsterte eine Frau einem ovalen Schwarz-Weiß-Foto auf Marmor etwas zu: „Papa, was ist passiert, Papa …“ Als sich der Rauch der Schüsse legte, sagt Asja, blieb alles grau und still.

          In Moskau eröffnen heute diejenigen, die gestern über das Verbot russischer Kultur im Westen schimpften, in Kulturinstitutionen Pop-up-Einberufungsstellen: etwa im Moskauer Stadtmuseum, im Darwin-Museum, im Roman-Viktjuk-Theater, im Zil-Kulturzentrum, im Moskauer Kino der Jugend und in diversen Bibliotheken. Die Männer werden in den Fleischwolf der totalen „Teil“-Mobilisierung geworfen. Aus Nogliki, einer Siedlung in der fernöstlichen Region Sachalin mit 11 000 Einwohnern, wurden siebzig rekrutiert. Meine Bekannte Mascha sagt, der Abschied sei so blitzschnell erfolgt, dass sie gar nichts begriff.

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