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Schnaps von Dmitrij Medwedjew : Im Spirituosennebel

  • -Aktualisiert am

Alles Tarnung: Dmitrij Medwedjew und russische Militärs trinken Sekt vor der Kamera. Bild: Picture-Alliance

Der russische Regierungschef brennt seinen eigenen Schnaps. Das widerspricht zwar seiner offiziellen Politik. Doch es erscheint fast wie eine Geste der Annäherung an sein von der Wirtschaftskrise frustriertes Volk.

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          Der russische Regierungschef Dmitrij Medwedjew ist unter die Schnapsbrenner gegangen. Medwedjew, der sich zuvor als Betreiber eines Weinguts in der Toskana versucht haben soll, beschenkt neuerdings Regierungsmitglieder, aber auch ausländische Politiker mit Edelschnaps aus eigener Produktion, meldet das Nachrichtenportal „Proekt“ mit Berufung auf drei verschiedene Quellen.

          Die Designerflasche, die „Proekt“ abbildet, ist mit einem Bären geschmückt – der Name des Premiers leitet sich vom russischen Wort für Bär (medwed) ab –, und der Inhalt soll vorzüglich sein, versichern diejenigen, die an einer Verköstigung teilnahmen. Das wundert nicht. Samogon, wie der Selbstgebrannte auf Russisch heißt, ist manchmal gefährlich, oft aber von höchster Qualität, die Produzenten messen sich regelmäßig auf Wettbewerben und Festivals. Und zumal auf dem Land, wo viele Läden minderwertigen oder gar gefälschten Wodka anbieten, kauft man für den gemütlichen Abend lieber Selbstgebrannten von der Babuschka seines Vertrauens.

          Doch die Regierung bekämpft offiziell die illegale Schnapsherstellung und bedroht Besitzer nicht registrierter Destilliergeräte, die mehr als fünf Liter pro Tag brauen, mit Geldstrafen. Außerdem befindet sich Medwedjews Schnapsbrennerei auf dem Landgut Milowka in der Nähe von Pljos, das offiziell nicht ihm, sondern der nominell wohltätigen Stiftung „Gradislawa“ gehört, die aber, wie der Korruptionsjäger Aleksej Nawalnyj herausfand, nur ein Feigenblatt ist für das private Immobilienimperium des Regierungsvorsitzenden. Dafür spricht, dass auch nach Nawalnyjs Enthüllung Milowka ein beliebter Aufenthaltsort von Medwedjew und seiner Frau blieb.

          Der Ministerpräsident ist der wichtigste Mann für undankbare Aufgaben geworden. Er hatte die unpopuläre Erhöhung des Rentenalters zu vertreten, er leitet die immer unbeliebtere Partei „Einiges Russland“, und Nawalnyjs Recherchen machten Medwedjew, der sich lange als Digitalisierungspionier positionierte, für die junge Generation zur Spottfigur. So erscheint es fast wie eine Geste der Annäherung an sein von der Wirtschaftskrise frustriertes Volk, wenn sich der Ministerpräsident aufs häusliche Experimentieren mit Hochprozentigem verlegt. Dass die „Milow-Schnapsbrennerei“, die auf einigen Samogon-Flaschen mit dem Bären als Hersteller angegeben ist, nirgends registriert wurde, passt dazu.

          Medwedjews Pressesprecher Oleg Ossipow wehrte Nachfragen nach der Schnapsproduktion seines Chefs mit einem Scherz ab, der nebenbei auch die Korruptionsvorwürfe Nawalnyjs ins Lächerliche ziehen sollte. Zur Geschenkgarnitur für ausländische Gäste gehöre natürlich Selbstgebrannter, versicherte Ossipow launig – aber stets auch Kompott in Dosen. Als „Kompott aus irgendwelchen Papieren, Fotos und sonstigem Unsinn“ hatte Medwedjew Nawalnyjs Dokumentation abgetan, die in der Sache niemand widerlegen konnte. Wohl bekomm’s!

          Kerstin Holm
          Redakteurin im Feuilleton.

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