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Ukrainische Kunst : Russen plündern Museen in Mariupol

Das nach russischem Beschuss schwer beschädigte Arkhip-Kuindzhi-Museum in Mariupol, Aufnahme vom 28. April. Bild: AP

Die russische Armee hat nach Angaben des Stadtrats von Mariupol die Museen der Stadt geplündert und mehr als 2000 Kunstwerke geraubt. Antike Ikonen sind dabei und Werke des Landschaftsmalers Arkhip Kuindzhi.

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          Die russische Armee verschleppt aus den von ihr besetzten Gebieten zehntausende Menschen. Sie raubt, wie die ukrainische Regierung mitteilt, Millionen Tonnen von Getreide und – plündert Museen. Der Stadtrat des von den Russen fast vollständig eroberten Mariupol teilte auf seinem Telegram-Kanal sarkastisch mit, die Besatzer hätten Mariupol von historischen und kulturellen Erbe „befreit“. Sie hätten „den Diebstahl und die Verbringung von mehr als 2000 einzigartigen Exponaten aus den Museen von Mariupol nach Donezk“ zugegeben.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Dabei handele es sich unter anderem um Werke von Arkhip Kuindzhi und Ivan Aivazovsky, alte Ikonen und ein 1811 in einer venezianischen Druckerei entstandenes Evangelium für die griechische Gemeinde von Mariupol. Geraubt worden seien zudem mehr als 200 Münzen aus dem Museum für Medaillonkunst Harabet. Man bereite Materialien für die Strafverfolgung vor und werde Interpol einschalten.

          Auf dem kremlnahen, russischen Kanal „Istwestja TV“ sagte die Leiterin des Historischen Museums von Mariupol, Natalia Kapustnikova, sie habe die Bilder von Aivazovsky und Kuindzhi der russischen Armee „nach dem Ende der Feindseligkeiten“ übergeben. Der Leiter des Kuindzhi-Museums habe die Bilder zu Beginn des Krieges versteckt. Sie habe gewusst, wo sich diese befanden. „Dann wurden sie in Sicherheit gebracht.“ Nach Angaben von Petro Andriushchenko, eines Mitglied des Stadrats von Mariupol, handelt es sich um drei Bilder von Kuindzhi. Kapustnikova, die das Versteck der Meisterwerke gekannt habe, habe die Bilder persönlich ausgehändigt.

          „Roter Sonnenuntergang am Dnjepr“, Arkhip Ivanovich Kuindzhi, 1905–8, Öl auf Leinwand.
          „Roter Sonnenuntergang am Dnjepr“, Arkhip Ivanovich Kuindzhi, 1905–8, Öl auf Leinwand. : Bild: Rogers Fund, 1974

          Das Akhip-Kuindzhi-Museum war am 21. März durch einen russischen Angriff schwer beschädigt worden (F.A.Z. vom 24. März). Werke des 1841 in Mariupol geborenen Malers, der als bedeutender Vertreter der realistischen Landschaftsmalerei gilt, finden sich in Museen in Moskau, St. Petersburg und New York.

          Der Kunstraub wird von der Ukraine als Teil des vom russischen Machthaber Wladimir Putin verkündeten Vernichtungsfeldzugs erkannt, bei dem es auch darum geht, die kulturelle Identität der Ukraine zu zerstören und sie historisch auszulöschen. „Die Kultur steht im Kern dieses Krieges“, sagte Olesia Ostrovska-Liuta, Leiterin des Mystetskyi Arsenal National Art and Culture Museum Complex in Kiew, bei einer digitalen Veranstaltung des National Museum of American Diplomacy in Washington. Russland versuche, die gesellschaftliche Identität der Ukraine zu zerstören, von der Intention her bedeute dies einen Genozid und dieser werde auch ausgeführt. Der Krieg sei ein „extremer Angriff auf die Kultur“. Die russische Regierung folge einem klaren Kurs, sie nehme Kulturschaffende, Kunstwerke und Institutionen ins Visier, ettiketiere ukrainische Kunst als russisch und eigne sich Kulturgüter an. Dabei verwies sie auf die Plünderung der Museen in Mariupol und Melitopol.

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