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Attentat auf Rushdie : Rushdie-Attentäter preist Chomeini

  • -Aktualisiert am

Salman Rushdie im Oktober 2017 Bild: dpa

Hadi Matar, der mutmaßliche Angreifer von Salman Rushdie, gibt ein Interview aus dem Gefängnis und zeigt keine Reue. Der Schriftsteller ist unterdessen auf dem Weg der Besserung.

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          Ein „großartiger Mensch“ sei der iranische Ajatollah Chomeini gewesen, vor dem er großen Respekt habe, sagte Hadi Matar in einem Interview aus dem Gefängnis. Der 24 Jahre alte Amerikaner soll am vergangenen Freitag den Schriftsteller Salman Rushdie mit einem Messer attackiert haben. Chomeini hatte 1989 eine „Fatwa“ gegen Rushdie verhängt – einen Mordaufruf an alle Muslime, der Rushdie zu einem Gejagten machte, der ein Jahrzehnt unter britischem Polizeischutz verbringen musste. Er hatte die „Satanischen Verse“ veröffentlicht, ein sehr erfolgreiches Buch, in dem selbst progressive Muslime eine blasphemische Qualität ausgemacht haben wollten. Auch, wenn eine neue iranische Regierung zehn Jahre später erklärte, die „Fatwa“ werde nicht umgesetzt, blieb sie doch in Kraft und im Bewusstsein vieler Menschen präsent.

          Er plädiert auf nicht schuldig

          Am vergangenen Freitag hatte Matar Rushdie vor dessen Vortrag bei der Chautauqua Institution im Staat New York mit einem Messer attackiert. Der 75 Jahre alte Schriftsteller überlebte schwer verletzt. Seine Leber, ein Arm und ein Auge wurden beschädigt. Rushdie könnte ein Auge verlieren, hieß es. Inzwischen befinde er sich auf dem Weg der Besserung, erklärten Rushdies Sohn Zafar und sein Management.

          Am Donnerstag sprach Matar nicht nur mit Journalisten, er trat auch vor den Haftrichter in Mayville, New York. Der Beklagte plädierte auf nicht schuldig, bevor sein Pflichtverteidiger sich darum bemühte, ein paar Vergünstigungen zu erreichen. Zuvor hatte eine Geschworenengruppe (Grand Jury) beschlossen, Matar wegen versuchten Mordes anzuklagen. Der mutmaßliche Attentäter lebt in New Jersey und war bislang nicht vorbestraft. Er wurde in Kalifornien geboren und ist Sohn libanesischer Einwanderer. Deren ehemaliges Dorf Jaroun soll Berichten zufolge eine Hisbollah-Hochburg sein. Dort habe sich Matars Vater eingeschlossen und weigere sich zur Zeit, mit Reportern zu sprechen, hieß es.

          Mutter sagt sich von ihrem Sohn los

          Matars Mutter sagte sich laut amerikanischen Medienberichten bereits von ihm los. Silvana Fardos schilderte ihren Sohn als einen jungen Mann, der immer mehr Zeit in seinem Zimmer verbracht habe. Nach einer Reise in den Nahen Osten, bei der er seinen Vater besuchte, habe Matar sich sehr verändert. „Ich hatte erwartet, dass er motiviert zurück kommt, die Schule beendet, einen Abschluss macht und einen Job annimmt. Stattdessen schloss er sich in den Keller ein“, sagte die Mutter der britischen „Daily Mail“. Sie habe nach dem Attentat Mitgefühl mit Rushdie und dessen Familie, so Fardos. Sie werde nicht mehr mit ihrem Sohn reden. Matar sei voll verantwortlich für seine eigenen Handlungen. Sie habe ihren Sohn nicht zu extremen religiösen Vorstellungen erzogen, sagte Fardos. Mit Bezug auf die „Fatwa“, die Matar möglicherweise zu dem Attentat ermunterte, sagte sie: „Ich kenne niemandem im Iran, meine ganze Familie ist hier.“ Manche Beobachter bemerkten, dass Matar damit aus einer recht typischen muslimischen amerikanischen Familie komme, deren Mitglieder sich vor allem als Amerikaner identifizierten und die eigentlich kein sonderlich günstiges Umfeld für islamistische Radikalisierung biete. In vielen Fällen, wo diese trotzdem vorkommt, scheinen Reisen in mehrheitlich islamische Länder eine große Rolle zu spielen.

          Keine Freilassung auf Kaution

          Im dem Interview mit der Boulevardzeitung „New York Post“ sagte Matar, er möge Salman Rushdie nicht, weil dieser den Islam und „unsere Überzeugungen angegriffen“ habe. Von den „Satanischen Versen“ habe er indessen nur ein paar Seiten gelesen. Als Matar online von Rushdies geplantem Auftritt gelesen habe, habe er beschlossen, den Autor bei der Gelegenheit anzugreifen. Matar sagte auch, er sei überrascht, dass Rushdie das Attentat überlebt habe.

          Der Haftrichter verweigerte dem Beschuldigten inzwischen eine Freilassung auf Kaution bis zu seiner Verhandlung. Matars Anwalt hatte argumentiert, dass der mutmaßliche Attentäter keine Vorstrafen habe, aber Richter David Foley folgte dem nicht. Matars Pflichtverteidiger forderte Foley auch auf, etwas gegen die vielen Kontaktversuche von Journalisten zu tun – sein Mandant erhalte hunderte Anrufe von Medien. Die Berichterstattung könne zu einer voreingenommenen Geschworenenjury führen. Der Richter ergriff keine restriktiven Maßnahmen – er ermahnte nur die Verfahrensbeteiligten, keine Interviews mehr zu geben.

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