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Werbeverbote : Diskriminierend

Darf in England nicht mehr gezeigt werden: Der Werbeclip für den neuen e-Golf. Bild: Youtube

Für Werbung, die aus dem Rahmen fällt, wird die Luft dünner. Vor allem, wenn es um Geschlechterrollen geht. In Deutschland werden Reklamevideos gerügt, in England werden sie jetzt gleich verboten.

          Die Zeiten, in denen man im öffentlichen Raum witzig sein durfte, ironisch oder provokant, neigen sich dem Ende zu. Irgendwer fühlt sich immer beleidigt und sieht rote Linien überschritten. Eine ganze Twitter-Gemeinde – gern Publizisten und Politiker –, wartet nur aufs Stichwort, um im Namen der Political-, Gender- und Minderheiten-Correctness Inquisition zu spielen.

          Das bekommen auch die Werber zu spüren. 1524 Beschwerden über Reklame verzeichnet der Deutsche Werberat für das erste Halbjahr 2019. Das sind schon jetzt mehr als im vergangenen Jahr insgesamt, in dem das Selbstkontrollorgan der Werbewirtschaft 1235 Eingaben verzeichnete.

          Zu tun hat das auch mit der Edeka-Werbung zum Muttertag, die sich über Väter als sozial minderbegabte Familienmonster lustig machte. Diese Darstellung konnten – so sie unbedingt wollten –, Frauen wie Männer diskriminierend finden. Allein zu diesem Video gingen 750 Beschwerden ein, der Werberat sprach eine öffentliche Rüge aus.

          Vermeintliche Geschlechterdiskriminierung ist nach Angaben des Werberats der häufigste Grund für Beschwerden. 357 Fälle prüfte das Gremium, in 119 von ihnen sah sich der Rat nicht zuständig, mit 238 Vorgängen befasste er sich. Bei diesen ging es in 120 Fällen um „Geschlechterdiskriminierung“. Auf Platz zwei mit 39 Fällen landete der Komplex „Ethik und Moral“, gefolgt von „Diskriminierung von Personengruppen“ (21).

          In den allermeisten der kritisch gesehenen Fälle hätten die Unternehmen die Reklame verändert oder eingestellt. Nur fünf öffentliche Rügen wurden ausgesprochen.

          Damit kommt die Branche hierzulande im Vergleich zu Großbritannien noch gut weg und genießt Freiheiten, die es dort nicht mehr gibt. Die „Advertising Standards Authority“ nämlich hat, einem brandneuen Gesetz folgend, zwei denkbar harmlose Werbespots verboten. In dem einen begeistern sich zwei junge Väter derart über Streichkäsebrote, dass sie ihre Babys vergessen; in dem anderen (von VW) sind Männer in Aktion und Frauen eher passiv, am Ende rauscht lautlos ein Elektro-Golf an einer jungen Mutter mit Kinderwagen vorbei, die auf einer Parkbank sitzt. In England, Heimstatt des trockenen Humors, ist so etwas jetzt verboten.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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