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Afrikanische Kulturgüter : Wem darf die Peitsche gehören?

  • -Aktualisiert am

Andreas B.D. Guibeb, Botschafter der Republik Namibia spricht am 17. Mai 2019 vor der Säule von Cape Cross, die aus dem heutigen Namibia ins Deutsche Kaiserreich gebracht und 2019 zurückgegeben wurde. Bild: dpa

Afrikanische Kulturgüter sollen restituiert werden. Da sind sich mittlerweile alle einig. Unklar aber ist, ob das von allen ehemals Kolonisierten gewünscht wird. Ein Gastbeitrag.

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          Die koloniale Raubkunstdebatte hat in den vergangenen Jahren die Gemüter erregt. Seit Emmanuel Macron im November 2017 bei seinem Staatsbesuch in Burkina Faso erklärte, Frankreich sei zur Rückgabe afrikanischer Kulturgüter an ihre Ursprungsländer grundsätzlich bereit, verging kaum eine Woche, in der die Medien nicht über sie berichteten. Aktivisten demonstrierten, Wissenschaftler tagten und Politiker gaben ihre Stellungnahmen ab.

          Die Aufregung hat sich gelegt. Auch Debatten haben ihre Halbwertzeit. Werden über sie erst einmal Bücher geschrieben, ist das wohl das beste Indiz dafür, dass sie sich ihrem Ende zuneigen. Ein solches Buch hat der Kulturjournalist Moritz Holfelder gerade vorgelegt. Es trägt den sinnigen Titel „Unser Raubgut“ (Ch. Links Verlag) und basiert auf Gesprächen, die er mit Beteiligten geführt hat. Es finden sich darin zwar einige wenige Stimmen, die sich gegen die allzu pauschale Verwendung des Begriffs verwahren, da beileibe nicht alles geklaut sei. Aber es überwiegt die Rede von den kolonialen Opfern, an denen wiedergutgemacht werden müsse, was ihnen von den Tätern angetan worden sei. Das Buch tritt als „Streitschrift“ auf, die es gar nicht ist. Denn der Streit ist ausgestanden. Kaum jemand würde sich heute offen gegen eine Rückgabe afrikanischer Kulturgüter aussprechen. Der Deutsche Museumsbund und die Kultusministerkonferenz haben dazu Resolutionen verfasst, und selbst im letzten Koalitionsvertrag ist auf die Notwendigkeit der Aufarbeitung des deutschen Kolonialismus verwiesen.

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