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Rosengarten vor Oval Office : Gebrochenes Versprechen

  • -Aktualisiert am

Schnitt des Unheils: Ein Gärtner am 11. August 2017 im Rosengarten vor dem Weißen Haus. Bild: Picture-Alliance

Wenn Gartengestaltung zum Politikum wird: Eine Petition in den Vereinigten Staaten fordert, die Umgestaltung des Rosengartens vor dem Oval Office durch Melania Trump rückgängig zu machen.

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          Die politische Spaltung der Vereinigten Staaten hat den berühmtesten Rosengarten der Welt erreicht. Eine vor wenigen Wochen an die First Lady Jill Biden und den Second Gentleman Douglas Emhoff gerichtete Petition verlangt kategorisch, „Jackie Kennedy’s Rose Garden“ vor dem Oval Office wiederherzustellen. An die achtzigtausend Unterzeichner haben bisher diesen Vorstoß unterstützt, der die neue Gartenanlage, für die Melania Trump verantwortlich gemacht wird, als Ergebnis narzisstischer Selbstreferentialität ablehnt.

          Der etwa sieben Hektar große Park um das Weiße Haus hat im zwanzigsten Jahrhundert zahlreiche Veränderungen erfahren. Vor allem der Garten vor dem mächtigen Westflügel, in dem sich das Oval Office befindet, ist zu einem integralen Bestandteil politischer Repräsentation geworden, dessen Gestaltung bis heute mit einzelnen Präsidentengattinnen assoziiert wird: Edith Roosevelt ließ 1902 die Pferdestallungen und ein Gewächshaus niederlegen, um einen bodenständigen colonial garden zu errichten; diesen verwandelte Ellen Wilson gut zehn Jahre später in einen blühenden Rosengarten. Seine heutige Bekanntheit erlangte jener Teil des Weißen Hauses durch die Neugestaltung aus dem Jahre 1962, die meist Jackie Kennedy zugeschrieben wird, für die jedoch die Landschaftsarchitektin Rachel „Bunny“ Lambert Mellon Vorlieben von John F. Kennedy umsetzte.

          Bühne für Rabin und Arafat

          Hier wurde eine perfekte Bühne geschaffen, auf der sich auch die folgenden Präsidenten medial inszenieren konnten. So kam es hier 1993 durch die Vermittlung von Bill Clinton zu dem historischen Handschlag zwischen Israels Ministerpräsident Jitzhak Rabin und dem Palästinenserführer Yassir Arafat.

          In den letzten sechzig Jahren hat dieser Rosengarten mit bunten Rabatten und zehn aufragenden Zierapfelbäumen einen festen Platz im kulturellen Gedächtnis Amerikas gefunden. Doch dann zogen die Trumps ein. Alles wurde infrage gestellt, auch der Rose Garden. Im Sommer 2020 präsentierte Melania Trump den neu gestalteten Garten der Presse. Die Zieräpfel waren verschwunden, Rosensträucher in verschiedenen Weißtönen hatten den Raum erobert, und Wege aus hellem Stein begrenzten den Rasen. Der Aufschrei war laut. Wo waren die saisonalen Pflanzen, wo waren vor allem die alten Rosen geblieben? Ein floraler Shitstorm fegte durch die sozialen Medien.

          Jackies Vermächtnis sei der amerikanischen Bevölkerung gestohlen worden, am pastellfarbenen Gartenbeet, so hieß es, zeige sich die Geschmacklosigkeit eines neureichen Clans, der sich des Weißen Hauses bemächtigt habe. Dagegen regte sich der Widerstand der Trump-Anhänger: Der Garten sehe nun endlich „clean and classy“ aus, ordentlich und elegant. Tiefer schürfende Kommentare historisch geschulter Beobachter sahen hingegen den aufgeklärten Landschaftsgarten der Kennedys durch den autokratischen Barockgarten der Trumps ersetzt.

          Die populistische Debatte schreibt das genderspezifische Klischee der gärtnernden First Lady auch im einundzwanzigsten Jahrhundert unkritisch fort. Wie schon Jackie Kennedy verließ sich auch Melania Trump auf Sachverständige. Die Planungen für die 2020 realisierte Umgestaltung des Rose Garden wurden von renommierten Landschaftsarchitekten begleitet, von einem Komitee für die Erhaltung der „White House Grounds“ geprüft und zusätzlich von zehn auswärtigen Experten begutachtet. Offenbar einigte sich dieser Kreis darauf, dass der Blick auf die imposanten weißen Säulen der Westkolonnade nicht mehr durch Apfelbäume verstellt werden sollte. Die neue Bepflanzung betont das strenge Weiß des Gebäudes, statt es wie zuvor zu relativieren.

          Über die Entscheidung, die Bäume durch Strauchrosen zu ersetzen, lässt sich streiten, sie ist aber kein Ausweis architektonischer Ignoranz – und erst recht nicht allein von der Präsidentengattin zu verantworten. Darüber hinaus dürfte der behindertengerechte Ausbau des Gartenweges ebenso wenig auf Kritik stoßen wie die Vorgabe, lange Elektrokabel unter den Platten verschwinden zu lassen.

          Gleichwohl propagiert die Initiative in Zeiten raschen politischen Wandels die hortikulturelle restitutio in integrum, die Wiederherstellung eines gärtnerischen Paradieses, das erst durch Trumps Präsidentschaft zerstört worden sei. Dabei ist der Rosengarten, wie er in der Petition beschworen wird, eine naive Projektion. Das Areal ist über die Jahrzehnte hinweg immer wieder verändert worden. Gärtner haben die Zieräpfel wie die Buchsbaumhecken bereits mehrfach ausgetauscht, und den vermeintlich alten Strauchrosen erging es nicht besser. Allein schon aus botanischen Gründen sind Gärten einem steten Wandel unterworfen; jeder Versuch, sie als zeitlose Kunst zu musealisieren, muss scheitern.

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