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Robert Habeck : Er hat sich etwas gedacht

Nach Angela Merkel, der Meisterin der kompetenten, aber oft kryptischen Kurzmitteilung, hätten wir mit Robert Habeck einen Erklär-Kanzler bekommen können. Bild: dpa

Robert Habeck, der Philosoph in der Talkshow: So macht ein Idealist Wahlkampf, der sich den Kopf des Gemeinwesens zerbricht und sogar dem Gegner Vernunft unterstellt. Eine patriotische Fantasie über unseren verhinderten Kanzler.

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          Bei den Wahlen zum Landtag von Sachsen-Anhalt am 6. Juni erreichten Bündnis 90/Die Grünen einen Stimmenanteil von 5,9 Prozent – ein ernüchterndes Ergebnis für eine Partei, die sieben Wochen vorher zum ersten Mal in ihrer Geschichte einen Personalvorschlag für das Amt des Bundeskanzlers gemacht hatte. In der Talkshow von Anne Will erschien zur Deutung der Zahlen aus Magdeburg Robert Habeck, Bundesvorsitzender im Team mit Annalena Baerbock, der er den Vortritt bei der Kanzlerkandidatur gelassen hatte. Will forderte Habeck auf, eine Umfrage zu kommentieren, wonach 71 Prozent der Wähler der Meinung gewesen seien, die Grünen übertrieben die Bedeutung des Klimaschutzes.

          Patrick Bahners
          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Habeck begann seine Antwort mit der Feststellung, dass das für ihn „keine guten Zahlen“ seien, und gelangte über die Beschwörung des Klimaschutzes als „Dekadenaufgabe“ bald zu allgemeinen Erwägungen zur „Stimmung“ im Land und zum Stand der „gesellschaftlichen Debatten“. Er sprach die in den Tagen vor der Landtagswahl erbittert diskutierte Äußerung des Ostbeauftragten der Bundesregierung, des CDU-Bundestagsabgeordneten Marco Wanderwitz, an, dass, in Habecks Referat, „ein weiter Teil der Menschen in Ostdeutschland für die Demokratie verloren“ sei, „weil sie in der DDR autoritär geprägt wurden“. Ausführlich entwickelte Habeck den Gedanken, dass nicht etwa der Inhalt dieser „Analyse“, die Habeck nämlich für falsch hielt, wohl aber die Tatsache, dass ein CDU-Politiker wie Wanderwitz, „eigentlich ein guter Mann“, eine solche demoralisierende Analyse vorgetragen habe, unser „Demokratieproblem“ illustriere, das man auch als „Repräsentationsproblem“ beschreiben könne.

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