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Kandidatin für Supreme Court : Wie Amy Coney Barrett zur Abtreibung steht

Trumps Kandidatin: Amy Coney Barrett könnte Ruth Bader Ginsburgs Lebenswerk zurückdrehen. Bild: AFP

Die Debatte um Abtreibung wird zum Thema des amerikanischen Wahlkampfes: Die Richterin Amy Coney Barrett, von Trump als Kandidatin für den Obersten Gerichtshof nominiert, könnte die konservative Wende bringen.

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          Als Präsident Bill Clinton sich im Sommer 1993 mit dem Gedanken trug, Ruth Bader Ginsburg zur Richterin am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten zu befördern, hatte einer seiner Berater eine schlechte Nachricht für ihn: Die Frauen seien gegen sie. Wie konnte das sein? Die 1980 von Jimmy Carter ernannte Bundesrichterin war doch als Advokatin der Gleichbehandlung der Geschlechter berühmt geworden.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Im Dezember 1992, ein halbes Jahr vor dem Eintritt der Vakanz auf der obersten Richterbank, hatte die frühere Professorin der Columbia-Universität einen Vortrag gehalten, in dem sie vor dem Hintergrund des eigenen Rollenwechsels vom akademischen Engagement zur richterlichen Laufbahn erörterte, was es heißt, „mit der Stimme eines Richters zu sprechen“. Ginsburg stellte die mit ihrer Beteiligung erstrittenen Entscheidungen zur Gleichberechtigung am Arbeitsplatz als Muster einer schrittweise fortschreitenden Rechtsprechung dar – und als warnendes Gegenbeispiel richterlichen Übereifers präsentierte sie ausgerechnet das Urteil des Obersten Gerichtshofs, das im Meinungskampf inzwischen als Palladium der Frauenrechte galt, das Verbot gesetzlicher Abtreibungsverbote im Fall Roe gegen Wade, entschieden 1973. Nach Ginsburgs Ansicht hatte das Gericht die allmähliche Liberalisierung des Abtreibungsrechts in den Einzelstaaten nicht so sehr vollendet als vielmehr unklugerweise voreilig abgeschnitten. Die Verkündung eines schrankenlosen Grundrechts auf Abtreibung rief eine Gegenbewegung hervor.

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