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Antrag bei der Unesco : Taugt der „Nasse Limes“ fürs Weltkulturerbe?

  • -Aktualisiert am

In der Auenlandschaft Bislicher Insel bei Xanten fand in den fünfziger Jahren römische Gegenstände - möglicherweise Teile eines Lagers. Bild: LVR

Der Limes soll jetzt auch dort Weltkulturerbe werden, wo keine Mauern standen, weil der Rhein zur Sicherung der römischen Herrschaft genügte. Ist der Antrag zeitgemäß?

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          Geschichtspolitisch hat der römische Limes in Deutschland einen langen Weg zurückgelegt. Über Jahrhunderte lebten die Menschen lokal und ungezwungen mit den imperialen Hinterlassenschaften: Eine „Römerschanze“, in Kirchen verbaute Spolien oder als ursprünglich lateinisch erkennbare Toponyme wie „Pfahl-“, umrankt von mündlich weitererzählten Geschichten, zeugten von der fernen Vergangenheit. Daneben nahmen sich schon im Humanismus Gelehrte wie der bayerische Hofhistoriograph Johannes Aventinus sowie einzelne Landesherren der römischen Überreste an, sammelten Inschriften und veranlassten erste Grabungen. Der Archivar Christian Ernst Hanßelmann gilt mit seinen um 1770 erschienenen Publikationen als der erste Limesforscher; er und andere suchten den Gesamtverlauf der Grenzanlagen zu erfassen, unternahmen dabei auch „Reisen auf der Teufelsmauer“, also Geländebegehungen. 1818 erließ Landgraf Friedrich von Hessen-Homburg eine Verordnung gegen das wilde Steinebrechen auf der Saalburg und wurde so zu einem frühen Denkmalschützer.

          Im neunzehnten Jahrhundert begann in Süd- und Südwestdeutschland das inzwischen gut untersuchte Engagement des Bürgertums in Geschichtsvereinen, die Lokalforschung betrieben und auch die Römerzeit am nunmehr nach den römischen Provinzen Obergermanien und Rätien benannten Limes den Menschen der jeweiligen Region nahebringen wollten. Das hatte teils antiquarischen Charakter, war aber vielfach auch „citizen science“ von engagierten Pfarrern, Lehrern und anderen studierten Honoratioren. Diese sah sich jedoch zunehmend der Kritik einer sich professionalisierenden Archäologie und Althistorie an den Universitäten ausgesetzt, die im Enthusiasmus der Lokalforscher den Dilettantismus zu wittern meinten. Das blieb nicht die einzige Spaltung: Auch die disziplinäre Trennung zwischen „klassischen“, vorwiegend im Mittelmeerraum arbeitenden Archäologen und der wissenschaftlichen Erforschung der römischen Überreste an der kontinentalen Peripherie, die Provinzialrömische Archäologie, gehört in diese Zeit.

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