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Restitutions-Debatte : Verbrechen gegen die Menschlichkeit?

Königliche Statuen aus Benin im Musée du Quai Branly Bild: EPA

Geschichtspolitischer Streit im Geheimen: Bund und Länder verhandeln über die Ratio der Rückgabe von Museumsgut an ehemalige Kolonien. Zum Einsatz kommen große Begriffskaliber.

          5 Min.

          Die Resonanz, die der französische Präsident mit seinen visionären Initiativen für revolutionäre Neuansätze bei seinen deutschen Politikerkollegen findet, geht über höfliche Kenntnisnahme nicht hinaus. Eine Ausnahme von diesem Muster bildet ausgerechnet ein Feld, auf dem Frankreich nicht auf deutsche Unterstützung angewiesen ist – und Deutschland nicht auf französische Nachhilfe: die auswärtige Kulturpolitik. Seit Emmanuel Macron am 23. November 2018 den von ihm bei Bénédicte Savoy und Felwine Sarr bestellten „Bericht über die Restitution afrikanischen Kulturerbes“ feierlich entgegengenommen hat, stehen die in Deutschland für Museen zuständigen Politiker unter Zugzwang. Jedenfalls vermitteln sie selbst den Eindruck von Zeitdruck: Kulturstaatsministerin Monika Grütters und ihre Kollegin im Auswärtigen Amt, Michelle Müntefering, beeilten sich, die Museen in einem Artikel davor zu warnen, Provenienzforschung zum Mittel einer Verzögerungstaktik zu machen.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Anfangen können die Adressaten mit dieser Mahnung nichts, da der moralische Ton einen Widerspruch verdeckt: Angeblich wurde die Erforschung der Herkunft außereuropäischer Objekte lange vernachlässigt, aber allzu beflissen soll man sie jetzt auch nicht betreiben. Die Hoffnung der Museen auf klarere Vorgaben ihrer Geldgeber muss sich auf eine „Gemeinsame Erklärung zum Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“ richten, über welche zwischen Bundesregierung, Bundesländern und kommunalen Spitzenverbänden seit Januar verhandelt wird. Das Thema steht auf der Tagesordnung der neugegründeten Konferenz der Kulturminister der Länder, die am Mittwoch zu ihrer ersten Sitzung zusammentritt.

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