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Restitutionsdebatte : Sie glauben an ihre Sendung

Felwine Sarr (links) und Bénédicte Savoy im März 2018 in Paris Bild: AFP

Bénédicte Savoy und Felwine Sarr werben auch in Deutschland für die Restitution afrikanischer Kunst als Gründungsakt einer neuen Ethik. Gegenüber Kritikern lassen sie es an Fairness fehlen.

          Der „Bericht über die Restitution des afrikanischen Kulturerbes“, den die Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy und der Wirtschaftswissenschaftler Felwine Sarr im Auftrag des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron erstellt haben, weist sich im Untertitel als Beitrag auf dem Weg „zu einer neuen Ethik der Beziehungen“ aus. Durch die Übertragung des Eigentums an sämtlichen von der französischen Kolonialmacht nach Frankreich verbrachten Kunstgegenstände an die heutigen afrikanischen Staaten soll der Welt ein Beispiel dafür gegeben werden, wie „die Beziehungen zwischen den Völkern und den Nationen“ auf eine neue Basis des wechselseitigen Respekts gestellt werden können.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Wie agieren die Verfasser des Berichts nun in der kommunikativen Beziehung, die sie durch die Publikation eingegangen sind, in der Diskussion mit den Museumsdirektoren, die sich fragen müssen, ob die Herausgabe der Bestände kompletter Museumsabteilungen mit ihren Amtspflichten vereinbar wäre? Auch im Innenverhältnis des Expertenstreits lassen Savoy und Sarr es an ethischem Anspruch nicht fehlen. In der vergangenen Woche absolvierten sie eine Art Erklärungstour in Deutschland. Sie traten in Berlin und München vor Publikum auf und gaben ausführliche Interviews. Mehrfach nahmen sie Stellung zur Kritik, die ihr Bericht provoziert hat. Aber den Argumenten der Kritiker setzten sie weniger Gegenargumente entgegen als diskursethische Rügen.

          „Ideologie des Sühnens und Büßens“

          In einem einstündigen Interview im Deutschlandfunk Kultur legte Bénédicte Savoy am Sonntag dar, vier oder fünf Einwände würden immer wieder vorgebracht. „Wir haben mittlerweile den Verdacht, dass diese Einwände nicht inhaltlicher Art sind, sondern dass sie da sind, um eine weitere Diskussion zu verhindern.“ Den Argwohn, man habe es mit Attrappen von Argumenten zu tun, macht das bloße Faktum der Wiedervorlage noch nicht plausibel. Auch Sarr und Savoy wiederholen ihre Punkte; das liegt in der Natur des öffentlichen Streits. Den Verdacht, die Gegenseite entziehe sich der inhaltlichen Erörterung, der sich angeblich „mittlerweile“ verdichtet hat, also allmählich gewachsen sein soll, haben sie gleich am Anfang der Debatte geäußert, in ihrer Replik auf die ersten Kritiker, die „Le Monde“ am 30. November publizierte (F.A.Z. vom 4.Dezember), eine Woche nach der Übergabe des Berichts an Macron.

          Dass Hermann Parzinger, der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und Chefplaner des Humboldt-Forums, in dieser Zeitung (F.A.Z. vom 29. November) auf deutsche Stimmen verwies, die am „Jargon“ einer „Ideologie des Sühnens und Büßens“ Anstoß nahmen, kommentierten Savoy und Sarr wie folgt: „Das Vorgehen ist wohlbekannt; es besteht darin, nie in der Hauptsache zu antworten, sondern anzufangen mit dem Versuch, diejenigen unglaubwürdig zu machen, deren Analysen und Schlussfolgerungen man nicht teilt, um so ihre Methode in Misskredit zu bringen.“ Für sachdienlich hielten die Autoren die Klage darüber, dass Parzinger ihre „lange universitäre Erfahrung“ nicht erwähne. „Müssen wir daran erinnern, dass wir beide Universitätsprofessoren sind und dass unsere Stellung auf einer wissenschaftlichen Arbeit beruht, die seit zwanzig Jahren die Anerkennung unserer Kollegen findet?“ Ach so, sie sind Professoren; das ist etwas anderes: In Deutschland würde solche Statushuberei als Ablenkungsmanöver empfunden.

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