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Modethema Resilienz : Nicht aus der Rolle fallen!

Die Sehnsucht nach Unverwundbarkeit: Manche treibt es in Resilienz-Seminare, andere ins Fitnessstudio. Bild: Frank Röth

Das Psycho-Konzept der Resilienz überführt den ehrwürdigen Mythos der Unverwundbarkeit in unsere wehleidige Zeit. Wie wäre es stattdessen mit einer Wiederentdeckung der philosophischen Rollentheorie?

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          Man wundert sich bisweilen, welche flauen, eindimensionalen Konzepte menschlichen Verhaltens in der Psychologie und in den Neurowissenschaften Karriere machen, während in der Philosophie zu denselben Fragestellungen längst viel gehaltvollere Erkenntnisse bereitliegen.

          Christian Geyer-Hindemith

          Redakteur im Feuilleton.

          So geht es derzeit dem Psycho-Konzept der „Resilienz“, das mit medialer Brandbeschleunigung den ehrwürdigen Mythos der Unverwundbarkeit in unsere Zeit überführt, indem es im Stil einer behavioristisch aufgepeppten alten Sage danach fragt, wie sich auch trotz widrigster Umstände psychisch stabil bleiben lässt. Als „Widerstandskraft gegen persönliche Katastrophen“ wird Resilienz „zum großen Psychologie-Thema“ aufgebaut, wie gestern auf Seite eins der „Welt am Sonntag“ unter der Überschrift „Stärker als das Schicksal“ stand. Während man sich demnach von der Resilienz-Forschung Aufschluss über eine Kernfrage der antiken Mythologie verspricht – Wer ist stärker: ich oder das Schicksal? –, fällt der therapeutische Ertrag, sieht man recht, eher bescheiden aus. Nach Art einer listbaren Faktorenanalyse – „Forscher suchen nach den Faktoren, die über die Widerstandskraft entscheiden“ – wird hier alles zusammengekehrt, was gemeinhin im Leben Rückhalt bietet, von Mußezeiten bis hin zu wertschätzenden sozialen Kontakten.

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