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Regieren mit Twitter : Der Troll an der Macht

Twitter passt zu seinem Politikverständnis: Donald Trump Bild: AP

@realDonaldTrump: Was wird passieren, wenn der mächtigste Mensch der Welt seine Politik mit Tweets macht? Die vergangenen Wochen gaben einen Vorgeschmack. Über das Regieren mit 140 Zeichen.

          7 Min.

          This is madness“, twitterte der Vorsitzende des Streitkräfte-Komitees im amerikanischen Senat, Chris Murphy: „Eskalation einer diplomatischen Krise mit China durch Twitter am Samstag, 7.30 Uhr, einschließlich Falschschreibung“.

          Mark Siemons

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Ein chinesisches Kriegsschiff hatte Mitte Dezember irgendwo im Südchinesischen Meer eine amerikanische Forschungsdrohne beschlagnahmt. Das Pentagon protestierte, und es begannen Verhandlungen über die Rückgabe des Objekts. Da erregt die Sache das Interesse des gewählten Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, und gut zwei Tage nach dem Vorfall setzt er an einem frühen Samstag Morgen folgenden Tweet ab: „China stiehlt in internationalen Gewässern eine Forschungsdrohne der US Navy – reißt sie aus dem Wasser und nimmt sie in einem präzedenzlosen Akt mit nach China“.

          „This is madness“

          Statt „unprecedented“ schreibt er zunächst „unpresidented“ und schickt später den Tweet noch mal mit der richtigen Schreibweise. Kurze Zeit danach erklärt das chinesische Außenministerium, Peking werde die Drohne zurückgeben und ergänzt, es sei „unangebracht“, dass die Vereinigten Staaten „unilateral“ die Sache aufgebauscht hätten. Der Kommunikationschef von Trumps Übergangsteam triumphiert: „@realdonaldtrump gets it done“. Doch in der Nacht greift der reale Donald Trump ein weiteres Mal zum Smartphone und legt nach: „Wir sollten China sagen, dass wir die Drohne, die sie gestohlen haben, nicht zurück wollen – lasst sie sie behalten!“

          Donald Trump findet, er sei auf 140 Zeichen der beste Autor der Welt.

          Es war vielleicht eher eine Farce als eine echte diplomatische Krise. Aber sie war real genug, um sich vorzustellen, wie eine echte diplomatische Krise aussehen könnte, die von einem twitternden amerikanischen Präsidenten auf die Spitze getrieben wird. In den letzten Jahren hat sich das Ringen zwischen China und Amerika um die Vorherrschaft im pazifischen Raum intensiviert; es geht da nicht nur um Taiwan, sondern auch um diverse Territorialkonflikte, die China mit mehreren Bündnispartnern der Vereinigten Staaten austrägt. Über der Senkaku/Diaoyu-Inselgruppe zum Beispiel, die sowohl von China wie Japan beansprucht wird, haben beide Länder sich überlappende militärisch bewehrte „Luftidentifikationszonen“ errichtet.

          Unterschiedliche Bewertungen einer Situation können da unabsehbare, fatale Folgen haben, weshalb die Militärführungen in Washington und Peking spezielle Kommunikationsstrukturen für Krisenfälle eingerichtet haben, damit Missverständnisse erst gar nicht aufkommen oder Zeit genug erhalten, um geklärt zu werden. Was passiert nun, wenn in ein solch ausgefeiltes Sicherungssystem in uneindeutiger Lage rachsüchtige, alberne, übellaunige oder einfach nur unausgeschlafene Twitter-Mitteilungen des Mannes platzen, der an diesem Freitag als amerikanischer Präsident, also auch als Oberbefehlshaber der Streitkräfte vereidigt werden wird? Seit vergangenem Monat kann man sich nicht mehr sicher sein, was passiert. „This is madness“, in der Tat.

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